Hindernisläufer hofft auf EM-Start
Dass der Sport nicht nur schöne Geschichten schreibt, muss Velten Schneider aktuell am eigenen Leib erfahren. Die letzten beiden Jahre der Karriere des Hindernisläufers gleichen einer Achterbahnfahrt und aktuell befindet sich der 26-Jährige am Ende einer längeren Talfahrt.
Zuerst kam die überragende Saison 2024 und dann als Krönung eine völlig überraschende Olympianominierung. Mit seinem 3.000-Meter-Hindernisvorlauf bei den Olympischen Spielen in Paris machte sich Velten Schneider zum Olympioniken und sah sich spätestens jetzt als Profi-Sportler. So gut wie noch nie lief die Vorbereitung auf die Saison 2025 und mit seiner neuen Bestleistung von 8:18,12 Minuten, gelaufen Ende Juni in Dessau, schien die Nominierung für seine ersten Weltmeisterschaften in Reichweite.
Doch dann folgte ein schwarzer Abend in Lüttich. Bei einem international besetzten Rennen in Belgien brach sich Schneider beim Sprung über den Wassergraben den Mittelfußknochen. Das bedeutete das sofortige Saisonende und keinerlei Chance, bei den Weltmeisterschaften anzutreten. Doch Velten Schneider ließ ob des herben Rückschlags nicht den Kopf hängen. Quasi sofort startete der Student mit den Reha-Maßnahmen. Das neue Ziel: Die Leichtathletik-EM in Birmingham 2026.
Rückschlag durch muskuläre Probleme
Und schnell ging es für den Sindelfinger Leichtathleten wieder bergauf. Die Blue Track Night moderierte er noch an Krücken gehend, doch bald durfte er seinen Fuß wieder vorsichtig belasten. So konnte Schneider in eine quasi normale Vorbereitung auf die Freiluftsaison starten. „Die ganze Reha nach der Verletzung lief wirklich super gut.“ Zum ersten Mal zeigte er sich in vielversprechender Form im März. Mit einem starken fünften Platz bei den deutschen 10-Kilometer-Meisterschaften sah sich Schneider auf seinem Comeback-Weg bestätigt und sprach von einem Best-Case-Szenario nach dem Fußbruch.
Die Euphorie wurde aber vor sechs Wochen jäh gestoppt. „Bis kurz vor meinem Saisoneinstieg lief es richtig gut und ich hatte das Gefühl, ich bin gut in Form“, so Schneider. Im letzten Trainingslager vor dem Saisoneinstieg traten dann aber muskuläre Probleme auf. „Das war wirklich auf den letzten Metern. Ich war kurz davor, wieder voll da zu sein. Eine ganz bittere Pille für mich.“ Zumal er die mutmaßlichen Überlastungsprobleme noch immer mit sich herumschleppt. „Ich habe das die ganze erste Wettkampf-Periode nicht losbekommen und bin trotz riesiger Probleme im Vorfeld drei Rennen gelaufen“. Teils konnte Velten Schneider zum Aufwärmen vor dem Wettkampf nicht einmal eine Steigerung absolvieren. Vor diesem Hintergrund können sich seine 8:24,56 Minuten aus dem Rennen in Ostrava durchaus sehen lassen.
Psychisch und körperlich nicht einfach
Doch natürlich erfüllt die Zeit nicht Schneiders Ansprüche. National liegt er mit seiner Leistung aus dem Juni auf Platz vier, mit gehörigem Abstand zu den drei aktuell besten Deutschen. Zur Norm für die Europameisterschaften und für den Bundeskader fehlen gute vier Sekunden. Umso mehr hat es den 26-Jährigen geschmerzt, nicht ins Wettkampfgeschehen eingreifen zu können. „Die letzten sechs Wochen waren extrem schwer und haben ziemlich an mir gezehrt. Psychisch, aber natürlich auch körperlich.“ Zwar konnte Velten Schneider weiter trainieren, gerade die intensiven Einheiten waren aber nicht in der gewohnten Qualität und Dichte möglich.
Die Situation hat Velten Schneider aber umso mehr Anlass gegeben, an seine Karriere neben dem Sport zu denken. Sein Medizinstudium treibt er weiter voran und auch für eine Rolle in der Wettkampforganisation kann sich der Sindelfinger begeistern. Er stellt aktuell die Felder für die Blue Track Night am 1. August im Sindelfinger Floschenstadion zusammen. „Wir sind gerade in der heißen Phase der Athletenakquise, das werden tolle Rennen. Ich hoffe auch, ich kann vor Ort sein und moderieren.“
Velten Schneider gibt sich kämperisch
Auch sportlich scheint es nun endlich wieder aufwärts zu gehen. „Meine Probleme werden behandelt, wir haben die Ursache gefunden und es geht in die richtige Richtung“, weiß der Sportler. Vielleicht gerade rechtzeitig, um bei den Deutschen Meisterschaften anzugreifen. Zwar ist dem Sindelfinger bewusst, dass er es nach dieser Vorgeschichte schwer haben wird, auch kann er nicht abschätzen, wie es aktuell um seine Form steht, er gibt sich aber kämpferisch. „Ich habe nicht die besten Karten und die Konkurrenzsituation und das Niveau der anderen machen es schwer, aber ich werde kämpfen, aufgeben ist keine Option.“ Gerade um eine Restchance auf die EM zu wahren, wird Schneider viel riskieren müssen, auch wenn die ersten drei Plätze schon vergeben scheinen.
Nach den nationalen Meisterschaften am kommenden Wochenende hofft Velten Schneider auf einige weitere Wettkämpfe. „Es hängt total viel an der Bundeskadernorm von 8:20,00 Minuten, die ich in diesem Jahr noch laufen muss“, so der Sindelfinger. Er ist als Profi-Sportler auf die Unterstützung des Deutschen Leichtathletikverbands und seiner Sponsoren angewiesen. „Ein Sport-Profi zu sein ist toll, wenn es läuft. Wenn das anders ist, ist es nicht mehr so witzig und ich spüre großen Druck. Aber ich habe mich darauf eingelassen und am Ende zählt eben die Leistung“, sagt der 26-Jährige. Trotz Druck: Schneider blickt positiv in die Zukunft. „Auch diese Phase wird mich zu einem besseren Athleten machen. Mittelfristig habe ich die Olympischen Spiele in Los Angeles im Blick.“
Bild: Velten Schneider hat die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles im Blick.
Bild: Görlitz
Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online