Mit einem souveränen 32:23 gegen den bisherigen Primus TV Spaichingen sorgt die HSG Böblingen/Sindelfingen für Jubel in der Sommerhofenhalle. Doch Trainer Vito Cece ärgert sich über das undichte Hallendach. Von Edip Zvizdiç
Die Handballer der HSG Böblingen/Sindelfingen haben dank eines deutlichen 32:23-Heimsieges gegen den bisherigen Spitzenreiter TV Spaichingen mit nunmehr 9:1 Punkten die Tabellenführung in der Verbandsliga übernommen. Zwar teilen sich die Schützlinge von Vito Cece den Platz an der Sonne mit dem TSV Altensteig – das direkte Duell in Altensteig endete 32:32 –, das tat der Freude in der mit 450 Zuschauern bestens gefüllten Sindelfinger Sommerhofenhalle nach Spielende aber keinen Abbruch.
Während sich die HSG-Spieler für einen souveränen Auftritt feiern ließen und den beliebten Gassenhauer „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ anstimmten, fischte Vito Cece doch noch ein ziemlich dickes Haar aus der Suppe. Denn das Gipfeltreffen musste mehrere Male unterbrochen werden, weil es durch das defekte Hallendach auf den Boden tropfte. „Mich macht das sauer, weil es auch gefährlich ist“, war dem Bösi-Coach gar nicht nach Feiern zumute. „Sindelfingen bezeichnet sich selbst gerne als Sportstadt. Dass wir mehrmals bei der Stadt vorstellig werden mussten, sich aber immer noch nichts getan hat, ist einfach nur peinlich.“ Denn nicht nur seine Mannschaft habe mit den widrigen Umständen zu kämpfen, sondern auch viele weitere Aktiven- und Jugendteams.
Trotzdem wurde gespielt. Und nach einer ausgeglichenen, aber wenig hochklassigen Anfangsviertelstunde zogen die Hausherren merklich die Zügel an. Aus einem 7:7 nach 15 Minuten warfen die Bösis bis zur Halbzeitpause eine 13:9-Führung heraus. „Wir haben nervös begonnen, was gar nicht nötig war“, wunderte sich Vito Cece. Was schon früh ziemlich gut klappte, war das Anspiel an den Kreis. Immer wieder steckte Mikko Frommer erfolgreich auf Dominik Möller durch, sodass der Kreisläufer einfache Abschlüsse hatte.
HSG zieht nach der Pause davon
Bei den Spaichingern machte sich mit fortlaufender Spieldauer das Fehlen von Spielmacher Tim Wenzler bemerkbar. „Keine Mannschaft kann ihren besten Spieler ersetzen“, sagte Vito Cece. „Wir hatten uns auf Tim vorbereitet, dann war er aber gar nicht dabei. Vielleicht hatten wir auch deshalb zu Beginn noch leichte Probleme.“ Spätestens nach dem Seitenwechsel war davon gar nichts mehr zu sehen. Vito Cece reagierte auf die Umstellungen in der Spaichinger Defensive, indem er seinen Kreisläufer für einen vierten Rückraumspieler opferte. „Diese Maßnahme ist voll aufgegangen.“
Vor allem Mattis Brantsch und Lowis Englert nutzten ihre Schnelligkeit im Eins-gegen-Eins und filetierten die gegnerische Abwehr ein ums andere Mal. Bis zur 42. Minute waren die Hausherren auf 22:14 enteilt. Tobias Krems, der bis dahin eine sehr gute Figur im HSG-Kasten gemacht hatte, übergab an Fabian Rothsching, der sich in der verbleibenden Spielzeit ebenfalls noch mehrere Male auszeichnen konnte. „Tolle Leistung von beiden Torhütern“, lobte der HSG-Trainer.
Stehende Ovationen für HSG
Bei 25:20 zehn Minuten vor dem Spielende schrumpfte der Vorsprung kurzzeitig auf fünf Tore zusammen, in Gefahr geriet der Sieg aber nicht mehr. Den Gästen fehlten schlichtweg die Mittel, um den Bösis ernsthaft Paroli bieten zu können. So musste auch der ehemalige Herrenberger Coach Alexander Job frühzeitig erkennen, dass an diesem Abend für seine Truppe nichts zu holen war.
Als die Schlusssirene in der Sommerhofenhalle ertönte, saßen die heimischen Fans schon nicht mehr und quittierten das Spiel ihrer Mannschaft mit stehenden Ovationen. Vito Cece genoss nach dem klaren 32:23-Erfolg kurz das Bad in der Menge und auch den Moment, die Tabellenspitze erobert zu haben, trat dann aber auch schnell wieder auf die Euphoriebremse. „Es ist noch viel zu früh, um irgendwelche Prognosen zu stellen. Nach der Hinrunde, wenn wir alle Gegner gespielt haben, werden wir vielleicht unsere Ziele anpassen. Bis dahin steht weiterhin harte Arbeit an. Wir werden uns ganz sicher nicht zufrieden zurücklehnen.“
Hier geht es zum Video-Interview mit HSG-Trainer Vito Cece
Hier geht es zum Video-Interview mit HSG-Kapitän Dominic Rose.
HSG Böblingen/Sindelfingen: Krems, Rothsching (beide im Tor); Grosser, Fangerow (5 Tore), Stricker (1), Englert (5), Mikko Frommer (2), Finn Spitzl (1), Möller (4), Todt (1), Gatzweiler (1), Rose (5/davon 3 Siebenmeter), Neuberger (1), Brantsch (6), Matti Spitzl.
Bild: Mattis Brantsch war mit sechs Treffern bester HSG-Werfer gegen Spaichingen.
Bild: Stampe
Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online