Leichtathletik: Im zweiten Versuch zur Europameisterschaft

Der Sindelfinger Velten Schneider will in der kommenden Freiluftsaison voll durchstarten / Eine Bank im Floschenstadion für den verstorbenen Trainer Harry Olbrich

Es läuft wieder rund bei Velten Schneider. Der Hindernisspezialist des VfL Sindelfingen meldete sich schon in der Hallensaison nach langer Verletzungspause zurück und zeigte mit seinem Vereinsrekord im 10-Kilometer-Straßenlauf jüngst, wo die Reise hingehen soll: Zu neuen Bestzeiten. Dafür investiert der ambitionierte Medizinstudent viel.

Es war eine spezielle Hallensaison, die Velten Schneider für sein Comeback nutzte. Nur vereinzelt wurden Rennen ausgetragen, natürlich ohne Zuschauer. Der nationale Höhepunkt fehlte, weil in den Laufdisziplinen nur kleine Starterfelder antreten durften und der Athlet selbst hatte mit dem plötzlichen Tod seines Trainers Harald Olbrich einen schmerzvollen Verlust zu beklagen. Auf seine Form konnte sich der 21-Jährige dennoch verlassen und so gelangen ihm zwei schnelle Rennen und ein erster Zwischenerfolg. „Gerade die 3:47,58 Minuten im 1500-Meter-Rennen stimmen mich leistungsmäßig optimistisch. Wir haben mit Harry in der Vorbereitung gut gearbeitet“, weiß Schneider. Dass auch die Grundlagen stimmen, zeigten dann die starken 29:43 Minuten im Rahmen des Berlin 10 Kilometer Invitationals, ein neuer Vereinsrekord für den VfL Sindelfingen. „Ich wusste, dass ich in einem guten Rennen diese Zeit laufen kann. Die Hallenwettkämpfe haben mich optimistisch gestimmt.“

Nun geht der Blick aber nach vorne auf die ersten Bahnrennen über die 3000-Meter-Hindernisstrecke in der Freiluftsaison. Velten Schneider hat nämlich für die Sommersaison schon einen ganz genauen Plan: „Wir wollen früh in einen ersten Wettkampfblock starten und die Norm für die U23 Europameisterschaft abhaken und dann zurück ins Training gehen.“ Weil auch in der Halle Wettkämpfe stattgefunden haben, ist Schneider optimistisch, dass unter freiem Himmel noch mehr Renn-Möglichkeiten bestehen. Ende April peilt er einen ersten Wettkampf an. Die Junioren-Europameisterschaften im norwegischen Bergen sind diesmal das große Ziel.

Schon vor zwei Jahren konnte der Sindelfinger die Norm unterbieten. Im Ausscheidungsrennen bei den deutschen Juniorenmeisterschaften in Wetzlar unterlag er allerdings seinen Konkurrenten und durfte nicht mit zur EM. Das soll in Schneiders letztem Juniorenjahr nun anders laufen. „Ich bin auf jeden Fall besser als vor zwei Jahren und will es jetzt wissen. Ich denke es wird einen Schritt nach vorne geben“, ist sich der Sindelfinger sicher, der noch ein zweites großes Ziel anpeilt: Die World University Games 2021 des Welthochschulsportverbands FISU, die vom 18. bis 29. August in Chengdu, China ausgetragen werden.

Für seine Ziele investiert Velten Schneider viel Zeit in zahlreichen Trainingseinheiten, auch wenn die Doppelbelastung hoch ist. Schließlich absolviert der 21-Jährige parallel ein reguläres Studium der Humanmedizin in Homburg und so müssen sich die ein bis zwei Trainingseinheiten pro Tag zwischen die Vorlesungen einreihen. „Ich werde nicht für den Sport freigestellt, sondern muss eben meinen Alltag danach ausrichten. Deswegen werde ich sicherlich nicht in Regelstudienzeit abschließen“, so der Sportler.

In dieser Hinsicht spielt Schneider aktuell aber tatsächlich das coronabedingte Aussetzen des Präsenzstudiums in die Karten. Lediglich für die Prüfungen musste er nach Homburg, den Rest der Zeit absolvierte er quasi als Fernstudium vom heimatlichen Sindelfingen aus. „Das war sicherlich für die Lehre nicht optimal, aber für mich als Leistungssportler nicht schlecht. Ich konnte sogar am Ski-Trainingslager des Deutschen Leichtathletikverbands teilnehmen und selber entscheiden, wann ich mir eine Online-Vorlesung anhöre“, erzählt Velten Schneider.

In Sindelfingen hat er mit Paul Specht den idealen Trainingspartner und konnte so die Form langsam wieder aufbauen. In der letzten Sommersaison musste Schneider noch verletzungsbedingt aussetzen und nutzte die freie Zeit für das Physikum. Im Sindelfinger Freibad wurde alternativ trainiert, gemeinsam mit einigen Rentnerinnen hatte der 21-Jährige viel Spaß beim morgendlichen Aquajogging vor der Vorlesung. Nun, wieder bei der Wettkampfform angekommen darf Schneider als Kadersportler den Glaspalast nutzen. „Hier muss ich dem VfL ein großes Lob aussprechen, der Verein hat sich sofort dafür eingesetzt, dass wir gute Trainingsbedingungen haben und auch die Stadt war sehr kooperativ“, sagt der Sindelfinger. Mit dem Schicksalsschlag des plötzlichen Tod seines Trainers Harald Olbrich vor wenigen Wochen hat der Sportler allerdings noch zu kämpfen. „Das Rennen in Dortmund, wenige Tage nach seinem Tod war emotional sehr hart, aber wir wollten ein Zeichen setzen, dass es weiter geht“, sagt Velten Schneider. Die gesamte Trainingsgruppe plant inzwischen die Installation einer Bank im Floschenstadion als Gedenkstätte. „Unsere Rennen in dieser Saison wollen wir Harry widmen, der Zusammenhalt in der Trainingsgruppe ist sehr groß und es geht weiter“, sagt Velten Schneider, der seinem Trainer natürlich am liebsten seinen Start im Deutschlandtrikot widmen würde.

Bild: Velten Schneider auf der Überholpur. Der Sindelfinger will sich für die Junioren-EM im norwegischen Bergen qualifizieren. Bild: Drechsel

Quelle: SZ/BZ-Online

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