Handball: Bösis stoßen im Derby an ihre Grenzen

Nach der 25:33-Niederlage gegen die SG H2 Ku Herrenberg geht es für die HSG Böblingen/Sindelfingen in der Oberliga nur noch um Tabellenplatz zwei.

Das mit großer Spannung erwartete Derby zwischen der HSG Böblingen/Sindelfingen und der SG H2Ku Herrenberg hat den im Vorfeld hohen Erwartungen nicht standhalten können. Während die Gäste aus Herrenberg am oberen Limit spielten und bis zur Schlusssirene durchzogen, wussten die Bösis nur phasenweise zu überzeugen. „Gegen einen Gegner mit dieser Klasse war das heute einfach zu wenig“, war Mischa Herok nach dem Spiel sichtlich enttäuscht.

Nächster Schritt Richtung Wiederaufstieg

Für die Herrenbergerinnen stellte der 33:25-Derbysieg den nächsten Schritt in Richtung des Wiederaufstiegs dar. Bereits am nächsten Spieltag könnte bei passenden Ergebnissen der Konkurrenten die große Party steigen. Für die Bösis hingegen geht es in den verbleibenden fünf Saisonspielen weiterhin um Tabellenplatz zwei – auch wenn das Team von Mischa Herok nun bereits drei Minuspunkte mehr auf dem Konto hat als der Tabellenzweite aus Weinstadt. Der HSG-Trainer gibt dennoch nicht auf: „Sollten wir die direkten Duelle gegen Bargau/Bettringen und Denkendorf gewinnen, ist alles möglich.“

Rund 500 Zuschauer

Dafür aber müssen die Bösis schleunigst ihre Lehren aus der Derbyniederlage ziehen. Die rund 500 Zuschauer in der Böblinger Murkenbachhalle bekamen keine schlechte Leistung der Gastgeberinnen zu sehen, zwei schlechte Phasen – je eine in der ersten und zweiten Halbzeit – sorgten letztlich für das klare Ergebnis. „Unser Matchplan ist leider zu selten aufgegangen“, wollte Mischa Herok die gegnerische Abwehr ursprünglich auseinanderziehen. Stattdessen ballten sich viele Angriffe der HSG in der Mitte, wo es gegen den zweitligaerfahrenen Mittelblock aus Stefanie Schoeneberg und Katrin Schröder kein Durchkommen gab.

Gute 20 Minuten lang verlief das Duell auf Augenhöhe. Bei den Bösis gefiel vor allem Julia Stauder, die auf der ungewohnten Linksaußenposition immer wieder durchkam. „Egal, wo ich Julia aufstelle, sie erledigt stets ihren Job“, lobte Mischa Herok. Mit dem 9:10-Rückstand nach 21 Minuten konnte der HSG-Coach leben, ein 0:4-Lauf in den folgenden sechs Minuten verdarb ihm aber die Laune. Auch weil die Schiedsrichter seiner Meinung nach zu viel laufen ließen. „Da waren einige Klatscher in den Gesichtern meiner Spielerinnen dabei“, wartete er vergeblich auf die Pfiffe der Unparteiischen.

11:14-Pausenrückstand

Der 11:14-Pausenrückstand aus Sicht der Gastgeberinnen entsprach trotzdem den gezeigten Leistungen. Das 12:14 von Julia Stauder gleich nach Wiederanpfiff blieb dann aber nicht mehr als ein kurzes Aufbäumen. Schnell bekamen die Herrenbergerinnen, bei denen offensiv vor allem Saskia Schmidt und Stefanie Schoeneberg glänzten, die Partie wieder in den Griff. Die HSG wehrte sich nach Kräften, aber genau die gingen den Gastgeberinnen – auch aufgrund des verletzungsbedingten Ausscheidens von Sophie Hilf – mit fortlaufender Spielzeit aus. Bis zum 19:24 (48.) von Svenja Hille durfte die Herok-Sieben noch irgendwie hoffen, ein 0:6-Lauf machte ihr aber schließlich den Garaus. In der folgenden Auszeit packte der HSG-Coach seine Schützlinge an der Ehre: „So geht’s nicht, spielt das mit Anstand zu Ende.“

Die Gastgeberinnen hielten sich an die Ansage ihres Trainers, betrieben noch Ergebniskosmetik und entschieden zumindest die letzten sieben Minuten mit 6:3 für sich. An der 25:33-Heimniederlage war aber nicht mehr zu rütteln. Als die Schlusssirene ertönte, begannen aufseiten der Gäste die Feierlichkeiten. „Derbysieger, Derbysieger“ skandierten die Herrenbergerinnen und ernteten auch verdientermaßen den Applaus der fachkundigen HSG-Fans. „Ich bin sehr zufrieden“, strahlte Heiko Fleisch mit seinen Spielerinnen um die Wette. „Wir haben das Derby in der Abwehr gewonnen. Denn diesen Gegner bei nur 25 Toren zu halten, ist schlichtweg überragend.“

Fairer Verlierer

Als fairer Verlierer präsentierte sich nach dem Spiel Mischa Herok. „An der Niederlage gibt es nichts zu deuteln, die ist verdient. Herrenberg hat den erfahrensten, konstantesten und besten Kader der Liga. Diese Mannschaft gehört jetzt schon in die Regionalliga. Für uns ist die Saison trotzdem noch nicht gelaufen, die nächsten beiden Spiele werden entscheidend sein.“

HSG Böblingen/Sindelfingen: Hagenlocher, Kilper (beide im Tor); Bohner, Golasch, Svenja Hille (4 Tore), Mayer, Terbeck, Julia Zeller, Münch (1), Stoll (3), Pauline Hille (1), Stauder (5), Hilf (1), Lena Zeller, Schandl (5), Matziol (5/davon 4 Siebenmeter)

 

Bild: Auch die fünf Treffer von Julia Stauder (beim Sprungwurf) konnten die 25:33-Niederlage der HSG Böblingen/Sindelfingen gegen die SG H2Ku Herrenberg nicht verhindern.

Bild: photostampe

Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online