Der GSV Maichingen entzaubert das bislang beste Team des Kalenderjahres und entführt alle drei Zähler aus dem Sindelfinger Floschenstadion.
Eines ist in der Landesliga, Staffel 2, in diesem Jahr sicher: Und zwar, dass gar nichts sicher ist. Kaum wähnt man eine Mannschaft auf dem aufsteigenden Ast, folgt auch schon der Rückschlag – und umgekehrt. Der VfL Sindelfingen, mit 13 von 15 möglichen Punkten das beste Team in 2026, hat das stadtinterne Duell gegen den GSV Maichingen auf eigenem Platz mit 0:2 verloren. „Heute hat uns die Energie gefehlt, das war alles zu behäbig“, wirkte Thomas Siegmund nach dem Schlusspfiff trotzdem gefasst.
Motivator auf der Ersatzbank
Aufseiten des GSV konnte man den Coup vor knapp 450 Zuschauern im Sindelfinger Floschenstadion selbst nicht so recht glauben. Verletzungsbedingte Ausfälle hatten die Situation sowieso verschärft und dann signalisierte Michael Klauß am Samstag, dass er auch nicht werde mitwirken können. „Muskuläre Probleme“, bestätigte der Maichinger Kapitän, der auf der Ersatzbank als Motivator aber eine nicht minder wichtige Rolle einnahm.
Dass die Gäste deshalb auf die Defensive bedacht in das Derby gehen würden, hatte Thomas Wohland bereits im Vorfeld angekündigt. Tief in der eigenen Spielhälfte erwartete der GSV den Stadtnachbarn und lauerte seinerseits auf Umschaltmöglichkeiten. Die Hausherren bestimmten das Geschehen, arg viele Torchancen erspielte sich die Siegmund-Elf aber nicht. Die beste Möglichkeit bot sich Tobias Kubitzsch, der aber aus elf Metern zu hoch ansetzte.
GSV bestraft passives Verhalten
Die Gäste verteidigten ansonsten alles weg und wagten sich nur sporadisch in die gegnerische Spielhälfte. In der 29. Minute kam Mario Ferrelli zum Abschluss, Alexander Bachmann lenkte den Ball zur Ecke. „Wir begleiten in dieser Szene nur“, ärgerte sich Thomas Siegmund über das passive Verhalten seiner Defensive. Denn der VfL-Coach ahnte bereits, dass die Situation noch nicht ausgestanden war. Filip Marques Moreira schlug den Eckball nach innen, welchen Martin Topic zum 1:0 einköpfte.
Der Führungstreffer spielte den Gästen fortan voll in die Karten, konnten sie doch ihre Spielweise beibehalten. Thomas Wohland gefiel vor allem die Laufbereitschaft seiner Schützlinge. „Keiner hat sich gescheut, Extrameter zu gehen.“ Vor allem im Zentrum gab es gegen Heiko Schall, Filip Marques Moreira und Mirza Vila kein Durchkommen. Das Maichinger Trio erstickte etliche Angriffsversuche des VfL bereits im Keim.
Die Sindelfinger ihrerseits erhöhten nach Wiederanpfiff den Druck und belagerten den GSV phasenweise. Allerdings kamen ihnen die Maichinger mit teilweise wilden Befreiungsschlägen auch entgegen. Abschlusschancen blieben dennoch weiterhin Mangelware. Tahir Bahadir prüfte Mehmet Colak in der 52. Minute, genauso auch André Simao in der 76. Minute. Auf der anderen Seite verpasste der starke Kevin Flaig in der 81. Minute die Vorentscheidung nur um Zentimeter.
Komarica macht den Deckel drauf
Nur eine Minute später scheiterte erneut Tahir Bahadir am aufmerksamen Mehmet Colak. Der Maichinger Torwart war in der 88. Minute auch gegen einen Knaller von Bünyamin Bakacs zur Stelle und hatte dann auch mal Glück, als Finn Edelmann einen Eckball aus kurzer Distanz freistehend über das Tor jagte. Mit einem allerletzten Vorstoß machten die Maichinger schließlich den Deckel drauf. Unter gütiger Mithilfe der VfL-Abwehr kam der zuvor eingewechselte Dzan Komarica an den Ball und jagte diesen zum 2:0 ins kurze Eck. Während die Maichinger ausgelassen jubelten, entschied Schiedsrichter Antonio Agazio (SV Winnenden), das Spiel nicht mehr anzupfeifen.
„Heute waren zwei unterschiedliche Interpretationen von Fußball zu sehen, leider hat unsere nichts Zählbares mit sich gebracht“, war Thomas Siegmund enttäuscht. „Wir waren heute aber nicht spritzig genug und kamen zu oft einen Schritt zu spät.“ Ganz anders gestaltete sich die Stimmungslage auf Maichinger Seite. Thomas Wohland strahlte nach dem Derbyerfolg mit seinen Schützlingen um die Wette. „Das war gegen das bislang beste Team des Kalenderjahres eine überragende Teamleistung. Ich kann mich somit am Saisonende mit einer positiven Derbybilanz verabschieden.“
VfL Sindelfingen: Bachmann, Kilinc (86. Biedma-Andrades), Dittrich, Brendle, Kizilagil, Molitor (56. Edelmann), Bakacs, Kubitzsch (67. Gashi), Ademi (86. Schuckenböhmer), Simao, Bytyci (46. Bahadir)
GSV Maichingen: Colak, Ehmke, Topic, Alexander Schmidt, Peric (64. Semeraro), Vila (90. 3 Sarak), Schall, Marques Moreira, Ferrelli (79. Komarica), Flaig (90. Syla), Intemperante (86. Orfeo)
Bild: Die Maichinger bejubeln hier ihren ersten Treffer. Am Ende gewann der GSV im Sindelfinger Floschenstadion mit 2:0.
Bild: photostampe
Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online