Leichtathletik: „Ich habe es einfach nur genossen und die Atmosphäre aufgesaugt“

VfL-Sprinter Florian Reichl war mit der Deutschen 4×100-Meter-Staffel bei der U-20-WM in Eugene (USA) am Start.

Florian Reichl hat seine ersten Leichtathletik-Weltmeisterschaften erlebt und das gleich als Stammläufer der Deutschen 4×100-Meter-Staffel. Was noch vor einem Jahr als eher utopischer Traum anmutete ist Anfang August im amerikanischen Eugene Wirklichkeit geworden. Die SZ/BZ hat mit dem 18-Jährigen Sindelfinger über die beiden Rennen bei den U20-Weltmeisterschaften und die weitere Saisonplanung gesprochen.

Herzlichen Glückwunsch zur Teilnahme an der erfolgreichen deutschen U20-Staffel in Eugene. Nach der Qualifikation für das Finale folgte dort Platz sieben. Wie haben Sie die Wettkämpfe erlebt?

Florian Reichl: „Das Halbfinale war mein absolutes Highlight. Schon beim Warmmachen alle Nationen zu sehen und dann waren wir so schnell wie schon seit zehn Jahren keine U20-Staffel mehr war und haben den zweiten Platz geholt. Die Freude war riesig und der Bundestrainer sogar wirklich überrascht.“

Und wie war es im Finale?

Florian Reichl: „Das habe ich einfach nur genossen und die Atmosphäre aufgesaugt. Wir wussten, wir haben nicht die besten Chancen, weil sich unser schnellster Läufer verletzt hatte und man hat dann schon gemerkt, dass Jakob Kemminer fehlt.“

Sie waren beide Male der Startläufer der Deutschen Staffel. Wann war Ihnen klar, dass Sie nach Ihrer tollen Saison auch noch zum Stammläufer bei einer WM werden?

Florian Reichl: „Wir haben relativ spät erfahren, wer läuft. Alle anderen Positionen waren eigentlich schon an die schnellsten Leute vergeben, aber ich habe schon im Vorbereitungs-Trainingslager auffällig oft auf den zweiten Läufer gewechselt. Vier Tage vor dem Wettkampf stand es dann fest.“

Und dann war die Nervosität groß?

Florian Reichl: „Ja, vor allem als ich im Startblock saß. Ich konnte mein hinteres Bein gar nicht stillhalten, das hat die ganze Zeit gezuckt und ich hatte Angst deswegen einen Fehlstart auszulösen. Die Systeme sind ja sehr sensibel. Das kannte ich von mir bisher nicht.“

Wie bewerten Sie Ihre Einzelleistungen?

Florian Reichl: „Meine Reaktionszeit war richtig schlecht. Ich habe vier Hunderstel langsamer reagiert als sonst. Da war ich wirklich enttäuscht und wäre gerne besser gelaufen. Beim ersten Lauf war außerdem der Wechsel schwierig, ich habe zwei Mal seine Hand nicht getroffen. Der Bundestrainer war aber wohl trotzdem überzeugt von meiner Qualität und im Finale war der Wechsel nicht so zittrig.“

Wie war die Atmosphäre im Stadion?

Florian Reichl: „Gerade morgens war es schon recht leer, die letzten beiden Abende war die Haupttribüne aber dann voll und man hat schon gemerkt: Das ist etwas anderes als bei einer Deutschen Meisterschaft. Die ganzen Weltmeisterschaften waren für mich sehr besonders und ich hoffe, dass ich so etwas noch einmal erleben darf.“

Sie waren zum ersten Mal in den USA. Konnten Sie etwas das Land kennenlernen?

Florian Reichl: „Ehrlich gesagt war ich nur ein Mal im Supermarkt. Aber das war schon ein Erlebnis für sich. Sonst lag der volle Fokus auf dem Sport. Wir haben zusammen gegessen, morgens trainiert und sind dann ins Stadion, um das Team anzufeuern und abends saßen wir dann noch etwas zusammen.“

Wie geht es nun weiter, stehen noch Wettkämpfe an?

Florian Reichl: „Ich bin komplett in der Offseason und bald geht es in den Urlaub, ich werde höchstens ein bisschen Fahrrad fahren gehen. Gar nichts zu tun ist für die Muskulatur auch nicht gut und dann hoffe ich auf eine Hallensaison?“

Ab dem kommenden Jahr gehören Sie der U23-Klasse an, haben Sie schon Ziele definiert? Im polnischen Bydgoszcz finden nächsten Juli die U23-Europameisterschaften statt.

Florian Reichl: „Zuerst hoffe ich darauf, endlich mal wieder eine Hallensaison machen zu können und dann die 60-Meter unter sieben Sekunden zu laufen. Und mit der Staffel wollen wir es zu den Deutschen Meisterschaften schaffen. Über einen internationalen Höhepunkt will ich noch gar nicht nachdenken. Das ist noch so lange hin.“

 

Bild: Florian Reichl vom VfL Sindelfingen hat große Ziele.

Bild: Ralf Görlitz

Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online