Fußball: Torwarttor setzt dem VfL-Chaos die Krone auf

Der VfL Sindelfingen kommt in einer vogelwilden Partie gegen den Aufsteiger ASV Botnang nicht über ein Unentschieden hinaus.

Wie viele absurde Szenen kann man eigentlich in 90 Minuten samt Nachspielzeit packen? Diese Frage stellten sich der VfL Sindelfingen und der ASV Botnang anscheinend auch und sorgten schließlich für ein jetzt schon denkwürdiges Spiel, welches mit einem aus Sindelfinger Sicht enttäuschenden 2:2-Remis endete. Den späten Ausgleich erzielte – wie sollte es an diesem Tag auch anders sein – ASV-Torwart Hasan Kaya in der sechsten Minute der Nachspielzeit.

„Keine Ahnung, was da passiert ist“, war Thomas Siegmund nach dem bitteren Gegentreffer um Fassung bemüht. Innerlich brodelte es aber beim Sindelfinger Trainer, und seinen Unmut richtete er gegen Schiedsrichter Cihan Aksoy (TSV Hessental). „Der Schiri war heute komplett überfordert.“ Und das praktisch von Beginn an. Nach nur neun Minuten zückte er schon die Rote Karte gegen VfL-Akteur Agim Deskaj. Diese bezeichnete der VfL-Coach als „durchaus berechtigt. Agim kann froh sein, dass er nicht schon vorher wegen Beleidigung Rot sieht.“

Dass der Unparteiische die Tätlichkeit des Sindelfinger ahndete, gleichzeitig aber den Provokateur Rick Hachenbruch weiterspielen ließ – das sogar gänzlich ohne Verwarnung – verstand Thomas Siegmund indes überhaupt nicht. „Beide müssen runter und fertig.“ Somit mussten die Hausherren mit einem Mann weniger weitermachen, was sich aber ziemlich gut anließ. Die Unterzahl war über weite Strecken gar nicht zu sehen. „Wir waren das bessere Team“, lobte der VfL-Coach.

 

Bahadir mehrmals im Mittelpunkt

Die Hausherren erspielten sich gegen die harmlosen Botnanger einige gute Möglichkeiten, aber erst Gianluca Gamuzza gelang in der 37. Minute der längst überfällige Führungstreffer. Wieder einmal zirkelte der Sindelfinger Kapitän einen Freistoß, dieses Mal aus 20 Metern halblinker Position, zum 1:0 in die Maschen. Eine Pausenführung war dem Team von Thomas Siegmund dennoch nicht vergönnt. Tahir Bahadir spielte in der vierten Minute der Nachspielzeit einen katastrophalen Rückpass aus der gegnerischen Hälfte genau in den Lauf von ASV-Akteur Ari Ilhan, der alleine auf weiter Flur keine Mühe hatte, den 1:1-Ausgleich zu erzielen.

Kurz nach Wiederanpfiff machte der Sindelfinger Stürmer seinen kapitalen Schnitzer aber wieder gut. Einen weiten Schlag von VfL-Schlussmann Maurice Zivny nahm Tahir Bahadir überragend mit, umspielte Botnangs Torhüter Hasan Kaya und schob zum 2:1 ein. Während in der Folge von den Gästen nichts Brauchbares kam, verpassten es die Sindelfinger gleich mehrmals, den Deckel draufzumachen. Das wahre Drama sollte sich aus Sicht der Gastgeber aber erst noch abspielen – und wieder stand Tahir Bahadir im Mittelpunkt.

Nach einem Krampf ließ sich der VfL-Akteur draußen behandeln, bekam aber nicht mit, dass ihn sein Trainer währenddessen bereits ausgewechselt hatte. Nach etwa zwei Minuten betrat der VfL-Stürmer wieder den Platz, woraufhin die Botnanger Bank komplett Hohle drehte. Schiedsrichter Cihan Aksoy zog daraufhin eine Gelb-Rote Karte gegen einen bereits ausgewechselten ASV-Spieler und auch eine gegen Tahir Bahadir. Und er entschied auf Freistoß für Botnang nahe der Mittellinie. Diesen prügelten die Gäste nach vorne, woraufhin das Spielgerät bei ASV-Torwart Hasan Kaya landete, der dem vogelwilden Treiben mit dem Ausgleichstreffer noch die Krone aufsetzte. Thomas Siegmund: „Wir pennen, der Gegner trifft. Das ist tragisch, zeigt aber auch, dass wir aktuell nicht gut genug sind.“

 

VfL Sindelfingen – ASV Botnang 2:2

Tore: 1:0 Gamuzza (37.), 1:1 Ilhan (45. 4), 2:1 Bahadir (51.), 2:2 Kaya (90. + 6).

Besondere Vorkommnisse: Rote Karte gegen Deskaj (9.), Gelb-Rote Karte gegen Bahadir (90.+ 5, beide VfL Sindelfingen).

Zuschauer: 120.

VfL Sindelfingen: Zivny, Arellano Torres, Hamann, Kilinc, Calemba (75. Semeraro), Gamuzza, Gashi (80. Bünyamin Bakacs), Dreshaj (67. Yasin Bakacs), Intemperante (83. Schultz), Deskaj, Bahadir (90. + 2 Ljubicic)

 

Bild: Tahir Bahadir war einer der Hauptdarsteller beim Last-Minute-Drama im Floschenstadion.

Bild: photostampe

Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online