Hochkarätige Verstärkung
Die Sindelfinger Leichtathleten sind ganz offiziell auf dem Weg, zu einer 400-Meter-Hürden-Großmacht zu werden. Dem aktuellsten Neuzugang – Rebekka Feirle – gehört die Zukunft über die Langhürden, das hat sie in ihrem letzten U20-Jahr gezeigt. Nun wechselt sie in die starke Trainingsgruppe von Sebastian Marcard, wo sich mit der deutschen Vizemeisterin Sabrina Heil, U20-EM-Teilnehmerin Lotta Mage und der DM-Vierten Karoline Sauer, ebenfalls ein Neuzugang, die Langhürdenelite tummelt.
Eine neue Situation für die 19-jährige Rebekka Feirle. Sie wechselt vom kleinen TSV Meckenbeuren nach Sindelfingen, nachdem sie in den letzten Jahren allein auf weiter Flur zu einer Weltklasse-Athletin heranwuchs. Schon mit sechs Jahren begann sie mit der Leichtathletik. „Ich wollte in der Schule immer mit den Jungs Wettrennen machen und liebe es, schnell zu rennen. Da wurde wohl mein Talent erkannt“, so die Sportlerin. Lange trat sie nur als Siebenkämpferin auf, auch wenn ihre starken Disziplinen, die 100-Meter-Hürden und die 800 Meter, nur einen logischen Schluss zuließen. „Ich hatte in Meckenbeuren eine Trainerin, die meine Stärken über die Hürden gesehen hat, und einen Trainer, der eher auf die längeren Strecken fokussiert war. Irgendwann bin ich dann, um es beiden recht zu machen, 300-Meter-Hürden gelaufen“, so Rebekka Feirle.
Steigerung um fast drei Sekunden
Was in der U16 begann, ging in der U18 gleich mit einem Start im Deutschlandtrikot weiter. In einer grandiosen Saison 2024 steigerte sich die Hürdenläuferin um fast drei Sekunden und knackte erstmals die 60-Sekunden-Schallmauer. Damit verdiente sich Feirle ihren ersten internationalen Einsatz bei den U18-Europameisterschaften in der Slowakei. Und überzeugte auf Anhieb: Im Finale lief sie auf einen starken sechsten Platz.
Im Folgejahr wurde die Athletin zwar körperlich stärker, ihre Zeiten stagnierten aber. Dennoch lief sie in der U20 zu ihrem ersten deutschen Meistertitel und nahm an der U20-EM in Finnland teil. In diesem Jahr kam dann der nächste große Durchbruch. „Ich hatte ein super Trainingslager mit dem Bundeskader und bin direkt nach meinem Abitur gut in die Saison gestartet“, so Feirle. Dann passierte etwas, womit die 19-Jährige nie gerechnet hätte: „Ich habe mich einfach in jedem Rennen verbessern können. Das ist wirklich nicht normal. Das hat mich natürlich immer weiter gepusht.“
Starkes Finale bei U20-WM in Eugene
Im Finale der Deutschen U20-Meisterschaften steigerte sie sich auf 57,43 Sekunden und gewann damit nicht nur den Meistertitel, sondern sicherte sich auch noch ihr Ticket für die U20-Weltmeisterschaften in den USA. Dort überstand sie Vorlauf und Halbfinale, selbstverständlich mit einer weiteren Bestzeit, und verkaufte sich auch im Finale teuer. Ihre Bestleistung drückte sie im bislang besten 400-Meter-Hürdenrennen ihres Lebens auf überragende 56,39 Sekunden und wurde Fünfte in einem Weltklasse-Feld.
„Allein im Hayward Field in Eugene zu laufen, war schon eine sehr coole Erfahrung und nach meiner tollen Saison bin ich mit viel Selbstbewusstsein reingegangen“, so Rebekka Feirle. Genau das war wohl das Erfolgsgeheimnis der 19-Jährigen. „Ich war bis zur WM schon super zufrieden mit meiner Saison und bin ohne Druck hingegangen.“ Zusätzlich kam das Hürden-Ass noch in der 4×400-Meter-Staffel zum Einsatz, und das unter widrigen Bedingungen. „Mein Finale war genau eine Stunde vor dem Staffel-Finale. Ich bin also gelaufen, raus in die Mixed Zone, zum Physio und wieder rein in den Callroom, ich hatte super viel Adrenalin und es hat einfach nur Spaß gemacht zu laufen. Wir sind sogar Fünfte geworden.“
An diese Erfolge gilt es nun im kommenden Jahr in einem neuen Umfeld anzuknüpfen. Denn Rebekka Feirle hat nicht nur den Verein gewechselt und trainiert in einer neuen Trainingsgruppe, sie hat auch ihre erste eigene Wohnung in Tübingen bezogen und begonnen zu studieren. „Mein Fokus liegt im nächsten Jahr aber auf dem Sport. Es ist toll, nun eine Trainingsgruppe zu haben, in der wir auf demselben Level sind. Das motiviert mich und macht viel Spaß.“
Nächstes Ziel: U23-EM
Erstmals im Trikot des VfL Sindelfingen wird Rebekka Feirle voraussichtlich in der Hallensaison zu sehen sein. Allerdings nur bei Staffeleinsätzen. Für die Freiluftsaison hat die Neu-Sindelfingerin aber große Ziele. „Natürlich will ich wieder auf das Level aus diesem Jahr kommen. Das größte Ziel ist es, an der U23-EM teilzunehmen.“ Selbst bei den Deutschen Meisterschaften der Aktiven hat sie gute Finalchancen. „Bei Rebekka Feirle treffen außergewöhnliches sportliches Potenzial, hohe Lernbereitschaft und eine bemerkenswerte Trainingsdisziplin zusammen. Setzt sie ihre positive Entwicklung in diesem Tempo fort, erscheinen mittelfristig internationale Einsätze im Aktivenbereich als realistisches und erreichbares Ziel“, sagt Trainer Sebastian Marcard.
Um ihre Ziele zu erreichen, arbeitet Rebekka Feirle aktuell verstärkt an Kraft und Schnelligkeit, und das in sechs langen Trainingseinheiten pro Woche. „Die Trainingsumfänge sind deutlich größer, aber inhaltlich ist es sehr ähnlich und ich profitiere schon jetzt von meiner neuen Trainingsgruppe.“ Man darf gespannt sein, wie groß der Anteil der Sindelfingerinnen unter den besten deutschen 400-Meter-Hürdenläuferinnen im kommenden Jahr sein wird. Trainer Sebastian Marcard hat ein klares Ziel. „Mit der 4×400-Meter-Staffel peilen wir den nationalen Titel an. Der VfL Sindelfingen entwickelt sich zunehmend zu einem nationalen Zentrum des 400-Meter-Hürdensprints. Der Anspruch für die kommenden Jahre ist klar: Regelmäßige Finalteilnahmen bei Deutschen Meisterschaften, nationale Medaillen und die kontinuierliche Qualifikation von Sindelfinger Athletinnen für internationale Nachwuchs- und Aktivenmeisterschaften.“
Bild: Daumen hoch: Rebekka Feirle greift kommende Saison im Trikot des VfL Sindelfingen an.
Bild: Eibner-Pressefoto/Stefan Mayer
Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online