VfL-Tischtennis
Ende des Jahres übergibt Werner Bacher nach 34 Jahren das Amt des Kassiers bei der Sindelfinger Tischtennis-Abteilung an seinen Nachfolger.
Ihn allein auf seine Rolle als Abteilungskassierer, als Zahlenjongleur, zu reduzieren, würde Werner Bacher sicherlich nicht gerecht werden. Dazu hat der Sindelfinger in all seinen Jahren in der Tischtennisabteilung viel zu viele andere Bereiche beackert, hat nicht nur mitgeholfen, sondern in vielerlei Hinsicht den Verein geprägt. Jetzt ist allerdings Schluss mit Tischtennis-Ehrenamt: Zum Ende des Jahres übergibt der 63-Jährige Ordner und Dateien an seinen Nachfolger.
Werner Bacher macht keinen Hehl daraus, dass es ihm in den vergangenen Jahren nicht immer einfach fiel, die Finanzen bei den VfL-Ballkünstlern zu verwalten. Er erinnert sich an eine Phase während der Pandemie, in der es um die Abteilung nicht optimal bestellt war. „Die Mitgliederzahlen gingen in den Keller“, weiß er noch, „irgendwann waren in unserer großen Halle nur noch zwei Tische belegt, das war schon sehr deprimierend. Es machte sich dadurch auch eine gewisse Amtsmüdigkeit breit.“ Wenngleich sich die Abteilung seit geraumer Zeit wieder in einem ruhigeren Fahrwasser befindet, gehört Werner Bacher nicht zu der Spezies Mensch, die alles schönreden will. Dazu ist er zu sehr Vereinsmensch. „Es gibt durchaus Bereiche mit Verbesserungspotenzial“, sagt er, „aber man muss immer daran denken, dass wir alles im Ehrenamt machen.“
„Optimaler Kassenstand“
Einen Bereich, den er da explizit ausnehmen kann, sind die Finanzen. Im Jahr 1992 übernahm er die Kasse mit einem damaligen Stand von umgerechnet 84 Euro, vier Jahre später wurden 10 000 Euro auf dem Konto registriert. „Nun übergebe ich einen optimalen Kassenstand, wie wir ihn in all den Jahren so noch nicht hatten“, sagt Bacher. Und er weiß nach 36 Jahren im Vorstand, davon 34 als Kassierer, wovon er spricht. Ob sich das alles so positiv weiterentwickelt, bezweifelt er. „Aktuell profitieren wir noch von den Geldern, die wir bis vor kurzem in den Spitzensport und nunmehr zu einem großen Teil in die Nachwuchsarbeit stecken“, sagt er. Was sicherlich keine schlechte Strategie sei. „Unter anderem durch die klamme Finanzlage in den Kommunen und die schwierige Sponsorensituation kann ich mir aber vorstellen, dass wir bald den Gürtel enger schnallen müssen.“
Portion Wehmut
Eine Portion Wehmut sei schon im Spiel, wenn er nun die finanzielle Verantwortung abgibt. Und einen Schlussstrich unter sein jahrzehntelanges Engagement im Sindelfinger Tischtennis zieht. In dem Verein, der ihm einiges abverlangt, aber noch mehr gegeben hat. Mit seiner Gattin Elke, ebenfalls Tischtennisspielerin, kam der gebürtige Rutesheimer bereits im zarten Alter von 17 Jahren zusammen. Sie beide, aber auch die drei Kinder verschrieben sich in enormem Maße dem schnellen Sport mit dem kleinen Ball. Recht früh brachte sich Werner Bacher im Ehrenamt ein. „Einen besseren Kassierer kann man nicht haben“, sagte der langjährige Abteilungsleiter Carsten Seeger vor ein paar Jahren. Und sprach dabei auf Bachers Akribie und strukturiertes Denken an, das in solch einem Amt unerlässlich ist.
Ob bei der Arbeit bei zahlreichen Großveranstaltungen wie beispielsweise dem Munzer-Cup mit 600 Zuschauern in der Sommerhofenhalle oder bei Bundesranglistenturnieren, ob bei Skiausfahrten oder Skat-Wochenenden, die meisten Vereinsaktivitäten ließen sich ohne das Mitwirken von Werner Bacher nur schwerlich stemmen. „Wir haben uns im Vorstand immer gut ergänzt und auch vertraut“, sagt der 63-Jährige Bacher im Rückblick. Auch an die sportlichen Höhepunkte erinnert er sich gerne. „Unvergessen ist der 22. Mai 2011, als unsere Schülerinnenmannschaft baden-württembergischer Meister und fast zeitgleich unsere Seniorinnen deutscher Meister wurden.“ Das allein zeige, wie breit die Abteilung zum damaligen Zeitpunkt aufgestellt war. Drei Jahre später stieg Bacher als Teammanager bei den Damen ein, mit denen das „Abenteuer Dritte Bundesliga“ angepackt wurde.
Übergabephase an den Nachfolger
Zuletzt hatte sich Werner Bacher aus dem Tagesgeschäft größtenteils zurückgezogen und das Amt nur noch kommissarisch ausgeführt. Inzwischen befindet er sich mit Nachfolger Daniel Selle in der Übergabephase. „Die Kasse ist bei ihm in guten Händen“, meint Werner Bacher, der seit jeher die Meßlatte für sich – und zuweilen auch für andere – hoch ansetzte.
Ganz komplett dürfte das Vereinsblut aber nicht aus Bachers Adern fließen. „Ich fühle mich jung genug, um weiterhin in dem einen oder anderen Bereich tätig zu sein“, sagt er. So engagiert er sich bereits in der Sindelfinger Lebenshilfe („es tut unheimlich gut, wenn da von der Gegenseite ein Lächeln kommt“) und in der Bürgerstiftung. „Da gibt es tolle soziale Projekte, ich könnte mir durchaus vorstellen, hier etwas mehr zu tun. Das muss dann auch gar nicht zwingend ein gewähltes Funktionärsamt sein“, meint Bacher, „Hauptsache, die Arbeit liegt mir am Herzen.“ Eben genau so wie in all den Jahren beim VfL Sindelfingen.
Bild: Werner Bacher hat die Tischtennis-Abteilung des VfL Sindelfingen in vielerlei Hinsicht geprägt.
Bild: Holzapfel
Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online