Samstag folgt das Derby gegen Maichingen
VfL-Trainer Thomas Siegmund feiert an alter Wirkungsstätte vor rund 550 Zuschauern einen hart erkämpften Erfolg.
Beim VfL Sindelfingen läuft’s! Mit einem umkämpften 3:2-Auswärtssieg im Nachholspiel bei der SV Böblingen hat sich der VfL bis auf einen Zähler an den oberen Relegationsrang herangepirscht. Die SVB hingegen konnte ihre Lage im Tabellenkeller nicht verbessern und steht ihrerseits nur einen Punkt über dem unteren Relegationsplatz. Rund 550 Zuschauer bekamen auf dem Böblinger Kunstrasenplatz kein hochklassiges, dafür aber ein bis zum Schlusspfiff spannendes Spiel zu sehen.
Viel war im Vorfeld vom jüngsten Wechsel des ehemaligen SVB-Trainers Thomas Siegmund ausgerechnet zum Erzrivalen auf die andere Seite der Autobahnbrücke geredet worden. Fast noch mehr Aufmerksamkeit hatten die vermeldeten Abgänge von fünf Spielern hervorgerufen, die allesamt nach dieser Runde ihrem Ex-Coach nach Sindelfingen folgen.
Bünyamin Bakacs trifft zur VfL-Führung
Einer aus diesem Quintett ist Böblingens Kapitän Bjarne Hamann, der ausgerechnet gestern Abend gegen seinen kommenden Verein seine schwächste Saisonleistung abrief. Bei allen drei Gegentoren hatte er seine Aktien mit drin, angefangen beim 0:1 in der 21. Minute. Bjarne Hamanns Passivität nutzte Bünyamin Bakacs, um aus 20 Metern halbrechter Position das 1:0 zu erzielen. „Schönes Ding“, ballte auf der anderen Seite Thomas Siegmund erstmals die Faust.
Das tat der Sindelfinger Coach vier Minuten später ein zweites Mal, als der Ex-Böblinger Tahir Bahadir einen Stellungsfehler seines ehemaligen Mitspielers mit dem 2:0 bestrafte. „Das Tor fällt nach einem Einwurf“, war Slobodan Markovic geladen. Der SVB-Trainer verstand es schlichtweg nicht, dass seine Mannschaft, trotz guten Beginns und eines Pfostentreffers von Anton Lendl in der sechsten Minute, mit 0:2 in Rückstand lag.
Schlechter waren die Hausherren keinesfalls, maximal unerfahrener. Aber auch das legte sich mit fortlaufender Spieldauer. So knallte Felix Widmann einen Freistoß in der 42. Minute aus 19 Metern an die Latte. Dennoch ging es für die Böblinger mit einem 0:2-Rückstand in die Pause. Aus der Kabine kam die SVB erneut schläfrig heraus und hatte großes Glück, dass die Gäste in der 48. Minute nicht schon den Deckel draufmachten. Der Schussversuch von Artan Ademi klatschte aber nur an den Pfosten.
Diese Chance weckte die Böblinger auf, die das Geschehen fortan weit in die gegnerische Spielhälfte verlagerten. Einen großen Anteil daran hatte Kosmos Gkiagkiaev, der kurz nach seiner Einwechslung in der 59. Minute sehenswert aus der Drehung auf 1:2 stellte. Das Spiel war damit wieder offen, der Druck der Böblinger ließ auch danach nicht nach. Oliab Calemba stieg in der 62. Minute eine Etage höher als jeder Sindelfinger, sein Kopfball rauschte aber am langen Pfosten vorbei.
Die Gäste lauerten auf Konter, die sie nicht immer sauber zu Ende spielten. Hin und wieder sprang eine Ecke raus, die in der 65. Minute fast das dritte Tor nach sich gezogen hätte. Auf der Torlinie kam Lennart Häßler noch an das Spielgerät und beförderte es aus der Gefahrenzone. In der 81. Minute scheiterte Arbes Bytyci freistehend an Maurice Zivny – und musste nur sechs Minuten nach seiner Einwechslung auch schon wieder runter. Das wiederum hatte taktische Gründe, da Gianluca Gamuzza zuvor wegen Meckerns zuerst Gelb und dann wegen Weitermeckerns noch Gelb-Rot gesehen hatte. Thomas Siegmund tat die Auswechslung entsprechend leid. „Ich wollte hinten noch eine Kante reinstellen, die die Bälle aus dem Strafraum befördert. Arbes hat das verstanden.“
Vor dem gegnerischen Tor tauchte der VfL nur noch ein weiteres Mal auf – das aber mit nachhaltigem Erfolg. In der 88. Minute vertändelte Bjarne Hamann den Ball an Bünyamin Bakacs. Der beste Spieler auf dem Platz steckte wiederum klasse auf André Simao durch, welcher das 3:1 für die Sindelfinger erzielte.
Fünf Minuten Nachspielzeit
Damit war das Spiel aber immer noch nicht entschieden, denn Alban Dodoli verkürzte in der ersten Minute der Nachspielzeit auf 2:3. In den noch verbleibenden fünf Minuten kamen die Hausherren aber zu keiner klaren Abschlussmöglichkeit mehr.
Während Slobodan Markovic von einer „völlig unnötigen Niederlage“ sprach, aber den Charakter seiner Mannschaft in der zweiten Halbzeit lobte, fiel der Jubel auf der anderen Seite kurz, aber laut aus. „Kompliment an die SVB, die sich nie aufgegeben hat, aber unser Sieg ist verdient“, war Thomas Siegmund zufrieden und auch erleichtert, den schweren Gang zu seinem Ex-Verein mit dem nächsten Dreier gemeistert zu haben. „Die Tabelle sieht jetzt ganz okay aus, jetzt wollen wir am Samstag gegen Maichingen nachlegen.“
SV Böblingen: Zivny, Arellano Torres (80. Schragner), Hamann, Häßler, Cilhüseyin (70. Adrian Körtge Corral), Hlebec, Dodoli, Widmann, Calemba, Traub (57. Gkiagkiaev), Lendl (61. Salihu)
VfL Sindelfingen: Bachmann, Kilinc, Dittrich (79. Bytyci/85. Schuckenböhmer), Brendle, Kizilagil, Gashi (60. Gamuzza), Bakacs, Kubitzsch, Ademi, Simao, Bahadir (61. Molitor)
Bild: Die Fußballer des VfL Sindelfingen bejubeln im Derby ihre 2:0-Pausenführung.
Bild: photostampe
Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online