Leichtathletik: Der Sindelfinger Paul Specht will zur Leichtathletik-EM nach Birmingham

Der Rückflug ist für Juni geplant

Der 23-Jährige studiert an der Wake Forest University im US-Bundesstaat North Carolina.

Viel gesehen hat man in Deutschland in den letzten Jahren nicht von Paul Specht. Das liegt daran, dass er 7000 Kilometer entfernt von Sindelfingen studiert, nämlich an der Wake Forest University im US-Bundesstaat North Carolina. Doch der Sindelfinger Leichtathlet hat sich fast im Verborgenen prächtig entwickelt und zu einer Nachwuchshoffnung für die deutsche Mittelstrecke gemausert. Und das, obwohl sein letzter erfolgreicher Wettkampf auf deutschem Boden schon mehrere Jahre zurückliegt.

Im Sommer möchte Paul Specht nun zurückkehren und zeigen, dass er über die 1500 Meter zur deutschen Spitze gehört. Das große Ziel hat er klar vor Augen: Die Teilnahme an der EM im britischen  Birmingham. Daran hat er schon in der vergangenen Hallensaison Anspruch angemeldet. So gesehen hatte Specht endlich seinen lang erwarteten Durchbruch, der ihn bei vielen auf den Radar brachte, auch wenn er seine Entwicklung in den USA eher als stetig beschreibt. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Saison. Ich wusste, ich bin auf diesem Level, es mussten nur die richtigen Rennen kommen“, so Specht. Er startete mit einem schnellen 800-Meter-Rennen in die Hallensaison und war starke 1:49,34 Minuten schnell. Es folgte ein Lauf über die Meile in 3:54,60 Minuten. „Das Rennen habe ich gegen starke Gegner gewonnen und das hat mir viel Selbstbewusstsein gegeben.“ Zwei Wochen später steigerte er sich im Heim-Rennen über die Meile erneut und über die 1.500 Meter wurde eine Durchgangszeit von beeindruckenden 3:37,73 Minuten gestoppt. Damit liegt Paul Specht in der ewigen Deutschen Bestenliste auf Rang neun, nur Robert Farken war in dieser Hallensaison schneller. „Ich war mir sicher, dass ich so schnell laufen kann. Das Feld war wirklich gut, mit mehreren Weltmeisterschafts-Teilnehmern. Auf den letzten vierhundert Metern bin ich allen davon gelaufen“, so der Sindelfinger stolz. Nur auf den krönenden Abschluss seines Winters musste der Sindelfinger verzichten.

Die Meisterschaftsserie in den USA wird mit den sogenannten Nationals entschieden und Specht lag in guter Ausgangsposition. Allerdings begann zum Ende der Saison hin sein Schienbein zu schmerzen. „Ich habe drei Meilenrennen in drei Tagen gemacht, daher kam das wohl. Vor den Nationals bin ich fast gar nicht gelaufen und habe es trotzdem ins Finale geschafft.“ Bisher ungeschlagen lief Specht auch hier auf Sieg. „Ich wollte gewinnen und hatte auch bis vierhundert Meter vor dem Ziel eine gute Position“, doch dann konnte er seine Stellung nicht halten und schloss das Rennen als Zehnter ab.

23 Hundertstel-Sekunden fehlen noch

Für die kommende Freiluftsaison ist Paul Specht dennoch optimistisch. „Ich denke, dass ich noch eine Schippe drauflegen kann.“ Mitte April wird der 23-Jährige in die Saison einsteigen und sich erneut auf die Meisterschaftssaison konzentrieren. Es steht aber noch etwas anderes im Fokus: Bei 3:33,50 Minuten liegt die Direktnorm für die EM Mitte August in Birmingham. „Ich will ein Rennen finden, wo ich eine schnelle Zeit und die EM-Norm laufen kann“, plant Specht. Vielleicht wird dieses Rennen auch in Deutschland sein. Spechts Rückflug nach Deutschland ist für Juni gebucht.

Die Rückkehr des inzwischen 23-Jährigen ist nach vier Jahren in den USA nicht ganz freiwillig. Das Stipendium des Sindelfingers an der Wake Forest University läuft aus, seinen Bachelor of Engineering hat er im Sommer in der Tasche und die mittelfristige Zukunft ist noch unklar. Paul Specht hat die Zeit sehr genossen und nach eigenem Bekunden viel gelernt. „Rückblickend war es auf jeden Fall der richtige Schritt. Ich habe ein extrem elitäres Feld um mich herum, bin medizinisch super versorgt und habe tolle Trainingskameraden.“ Nun muss ein neues sportliches Zuhause her. „Ich prüfe meine Optionen, mal sehen, ob ich in Deutschland Strukturen finde oder mich hier in den USA einer internationalen Trainingsgruppe anschließe. Ich will aber auf jeden Fall Profi-Athlet werden und vielleicht nebenher weiter studieren.“

Olympia 2028 ist das Ziel

Ob zukünftig in den USA oder in Deutschland, für den August steht auf jeden Fall England auf dem Reiseplan. Paul Specht ist optimistisch, dass er im nationalen Vergleich mithalten kann, bei den Deutschen Meisterschaften will er zu einer Medaille laufen und sein EM-Ticket klarmachen. Und spätestens im Jahr 2028 will er wieder in die USA zurückkehren, nach Los Angeles zu den Olympischen Spielen.

 

Bild: Paul Specht (Mitte) bei der U23-Meisterschaft 2021 in Koblenz . Im Juni kommt er zurück nach Sindelfingen.

Bild: Eibner-Pressefoto / Beaut.Sports / Peters

Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online