Fußball: Die Sindelfinger Bankrotterklärung

In Thomas Siegmund brodelt es

Wenn die ehemaligen Spieler sowie die langjährigen Zuschauer vorzeitig von dannen ziehen, dann wird es ungemütlich! Der VfL Sindelfingen ist drauf und dran, auch noch die treuesten Fans zu vergraulen. Auf der Tribüne des Sindelfinger Floschenstadions war kurz vor dem Ende der Partie gegen den FV Neuhausen unter anderem die Rede von „absoluter Nichtleistung“, „Bankrotterklärung“ oder auch „Totalversagen“.

Gegen einen keineswegs überragend aufspielenden FV Neuhausen bekam der VfL eine 1:5-Klatsche verabreicht, die sicherlich nicht ohne Folgen bleiben wird. Bereits im Vorfeld der Partie hatte Thomas Siegmund angekündigt, dass er die verbleibenden Spiele bereits als Vorbereitung für die kommende Runde ansehe. Das, was er dann von seiner Mannschaft präsentiert bekam, wird dem Sindelfinger Trainer vollends die Augen geöffnet haben. Denn diese Ansammlung von durchaus talentierten Einzelspielern funktioniert nicht. „Ich muss jetzt echt aufpassen, was ich sage“, versuchte Thomas Siegmund nach dem Schlusspfiff Contenance zu bewahren.

In ihm drin brodelte aber ein Vulkan. Denn bei einer Mannschaft, die nach drei Minuten bereits mit 0:2 hinten liegt, stimmen elementarste Dinge nicht mehr. Dinge, an denen schon Siegmunds Vorgänger Maik Schütt verzweifelt ist, die Lage unterschätzt hat und letztlich von seinem Team im Stich gelassen wurde. So weit werden es Thomas Siegmund und dessen Co-Trainer Marijo Milcic aber nicht kommen lassen. Denn auch wenn ungefähr drei Viertel der aktuellen Truppe in der neuen Runde an Bord bleiben werden, werden sich die Spieler warm anziehen müssen. „Eine Zusage bedeutet ja nicht, dass ein Spieler dann tatsächlich auch auflaufen wird“, hatte der VfL-Chefcoach bereits vor einigen Wochen deutlich gemacht.

Die biederen Neuhausener, die eher für einfachen Fußball bekannt sind, waren über die gesamten 90 Minuten klar überlegen. Und das einfach nur deshalb, weil sie als kompakte Einheit auftraten. Die Hausherren hatten mit ihrem vogelwilden Spiel immer wieder auch ihre lichten Momente, so unter anderem beim 1:2-Anschlusstreffer von Artan Ademi in der 18. Minute oder einem sehenswerten Fallrückzieher von Tahir Bahadir in der 39. Minute, der aber nur an die Latte klatschte.

Alexander Bachmann fliegt vom Platz

Eine Rote Karte gegen VfL-Schlussmann Alexander Bachmann, der den durchgebrochenen Janis Denzinger außerhalb des Strafraums ungestüm gefällt hatte, beendete bereits kurz vor der Pause das Aufbäumen der Sindelfinger. Ben Kauffmann aus der zweiten Mannschaft kam zu seinem unverhofften Landesligadebüt, wackelte in der Folge ein paar Mal richtig und musste in der zweiten Halbzeit noch drei Mal hinter sich greifen.

„Wenn wir fallen, dann ganz tief“, wirkte Thomas Siegmund nach dem Schlusspfiff angeschlagen. „Es kamen einige unglückliche Dinge zusammen, aber wenn man nach drei Minuten bereits 0:2 in Rückstand liegt, dann spricht das Bände. Eine gut aufgestellte Mannschaft gewinnt das hier noch 4:2, aber das sind wir aktuell nicht. Die Qualität reicht nicht aus, so ehrlich müssen wir zu uns selbst sein.“

VfL Sindelfingen: Bachmann, Kilinc (45. Brendle), Dittrich, Edelmann (57. Schuckenböhmer), Biedma-Andrades (44. Kauffmann), Gamuzza, Kubitzsch (57. Bytyci), Bakacs, Ademi (79. Weinhardt), Simao, Bahadir

 

Bild: VfL-Torhüter Alexander Bachmann sah kurz vor dem Halbzeitpfiff die rote Karte.

Bild: photostampe

Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online