Hauptverein: Höhere VfL-Mitgliedsbeiträge finden trotz Schlagabtauschs breite Zustimmung

20 Prozent mehr

Nach einer leidenschaftlichen Diskussion entscheidet sich die Delegiertenversammlung des VfL Sindelfingen mit großer Mehrheit für einen Anstieg der Mitgliedsbeiträge um 20 Prozent.

 

Der erste Teil am Mittwochabend war schnell erledigt. Bevor die Delegiertenversammlung begann, beschlossen die Mitglieder zunächst eine Satzungsänderung. Das neu überarbeitete Schutz- und Präventionskonzept wurde in die Statuten des Vereins integriert. Von 159 wahlberechtigten Teilnehmern stimmten bei einer Enthaltung 149 Personen dafür und neun dagegen. Alle Abteilungen verpflichten sich damit, einen Schutzbeauftragten zu benennen, der als Ansprechpartner den einzelnen Mitgliedern in Fragen des Schutzes vor Gewalt und Diskriminierung zur Verfügung steht.

Im zweiten Teil des Abends ging es dann vornehmlich um die für das kommende Jahr angepeilte Erhöhung des Hauptvereinsbeitrags um 20 Prozent. Der im Laufe des Abends wiedergewählte VfL-Präsident Dr. Heinrich Reidelbach landete schnell bei der von der Stadt Sindelfingen ab Januar 2027 angekündigten Erhöhung für Sportanlagen. „Wenn wir schon erhöhte Sportstättennutzungsgebühren zahlen sollen, dann wäre es uns auch sehr wichtig, dafür endlich funktionsfähige Sportstätten zu bekommen“, ermahnte das VfL-Oberhaupt unter dem Applaus der Delegierten die anwesenden Vertreter Oberbürgermeister Markus Kleemann sowie Martin Kutscher und Clemens Knoch vom Sport- und Bäderamt. „Ich denke, ein privater Mieter hätte schon längst die Miete bei seinem Vermieter gekürzt. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir endlich eine Mängelbeseitigung in den städtischen Sportstätten erleben würden.“

Beitrag beim VfL steigt um 20 Prozent

Kleemann, der noch während der Versammlung einen Mitgliedsantrag des VfL ausfüllte, ließ später in seiner über 15 Minuten dauernden Rede durchblicken, dass die Haushaltslage der Stadt in naher Zukunft nur wenig Verbesserung bringen wird. „Wir haben nur noch ein Zehntel unserer Einnahmen“, rechnete der 41-Jährige vor. „Deshalb war es mir wichtig, dass der Sport nicht so hart getroffen wird. Gerade in finanziell schwierigen Zeiten zeigt sich, welche Bereiche für den gesellschaftlichen Zusammenhalt unverzichtbar sind: Vereine, der Sport – und Sie im VfL Sindelfingen.“

Als Beispiel, dass die Stadt trotz der finanziellen Schieflage im Rahmen ihrer Möglichkeiten so wenig wie möglich beim Sport sparen möchte, hob der CDU-Politiker den Neubau des Badezentrums hervor. „Es ist eigentlich Wahnsinn, wenn man in einer solchen schwierigen finanziellen Situation so etwas beschließt“, räumte Kleemann ein, aber „wenn wir da nichts machen, wird es noch teurer.“

Teurer wird es auch für die Mitglieder des VfL Sindelfingen. Der Beitrag des Hauptvereins steigt wie geplant ab dem 1. Januar des kommenden Jahres um 20 Prozent an. „Die Beiträge wurden seit 2005 nicht erhöht“, argumentierte Reidelbach. Seit mehr als 20 Jahren seien die Hauptvereinsbeiträge unverändert geblieben. Würde der Verein die kumulierte Inflation bis 2024 als Richtwert für die Erhöhung heranziehen, wären sogar 31,9 Prozent notwendig. Wichtig sei ihm und seinen Kollegen weiterhin, dass Kinder bis 14 Jahre nicht belastet werden: „Die Erhöhung soll sozialverträglich bleiben.“

Als Grund, warum der VfL seine Mitglieder in Zukunft stärker zur Kasse bitten müsse, nannte er die stagnierenden Hauptvereinseinnahmen bei steigenden Kosten. Auch bei den Erlösen der Sportwelt gäbe es kaum noch Steigerungsbedarf, da die Kapazitätsgrenze trotz Erweiterung beinahe erreicht sei: „Wenn wir jetzt noch einmal drei Jahre warten, dann gehen noch einmal drei Jahre mit zwei bis vier Prozent Inflation ins Land. Dann müssen wir nicht mehr um zwanzig Prozent erhöhen, sondern um dreißig Prozent.“

Im Anschluss kam es erwartungsgemäß zu Wortmeldungen. Die erste Rückfrage kam von den Basketballern. Speziell in der beitragsbefreiten Altersgruppe sei der Zulauf enorm, trotz angespannter Hallensituation. In anderen Vereinen würde diese Altersgruppe auch zur Kasse gebeten: „Wenn die beitragsfrei bleiben, kommen wahrscheinlich weitere hinzu.“ Reidelbach regte daraufhin ein Gespräch mit dem Sportamt an, um die Hallenkapazitätsprobleme zu lösen. „Ich persönlich glaube nicht, dass es unser strategisches Ziel sein sollte, die Defizite dadurch zu lösen, dass wir den Sport teurer machen.“

Tanzsport-Abteilung gibt Kontra

Anschließend brachte sich die Tanzsport-Abteilung in Stellung. „Wir werden gegen die geplante Beitragserhöhung stimmen“, kündigte Abteilungsleiterin Dr. Anja Westerhoff an. „Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage in Deutschland mit den Lebenshaltungskosten, die in allen Bereichen teurer werden, ist das für uns ein Punkt, an dem wir sagen, die Beitragserhöhung muss nicht noch dazukommen.“

Auch Martin Schatke, Jugendwart bei den Tänzern, überzeugten die Argumente des Vorstands nicht. Nachdem 2025 mehr als eine halbe Million erwirtschaftet wurde und für das laufende Jahr auch 400000 Euro angestrebt werden, sei für ihn die Begründung, um 20 Prozent zu erhöhen, nicht nachvollziehbar: „Mich holt es einfach nicht ab.“

Auch Michael Frick, Leiter der Kampfsport-Abteilung Ju-Jutsu/Kung-Fu, wirkte bei seiner Wortmeldung nicht überzeugt. Ganz im Gegensatz zu Michael Sieber, dem Leiter der Männersportgruppe in der Abteilung „Sport für alle“. Er lobte die Argumentation des Präsidiums und regte gleichzeitig an, beim nächsten Mal nicht wieder mehr als 20 Jahre zu warten. „Ich werde der Beitragserhöhung nachher zustimmen“, sagte Sieber. „Ich würde mir wünschen, dass die Beiträge zeitiger angepasst werden.“

Am Ende war die Abstimmung dann aber trotz des verbalen Schlagabtauschs eine eindeutige Sache: Bei zehn Enthaltungen stimmten 115 der 151 wahlberechtigten Delegierten für die Erhöhung. Auf die Gegner entfielen 26 Stimmen.

Bild: Die Delegierten des VfL Sindelfingen stimmten am Mittwoch für die Erhöhung der Hauptvereinsbeiträge.

Bild: photostampe

Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online