Hürden-Läufer im Interview
Der Neuzugang des VfL Sindelfingen läuft über 400 Meter Hürden zur U20-WM-Norm. Nun entscheidet die Deutsche Meisterschaft über seinen Traum von der Teilnahme in Eugene.
Neuzugang Jannis Gartmann hat bei den Sindelfinger Leichtathleten voll eingeschlagen. In der Hallensaison sicherte er sich bei den Deutschen Meisterschaften mit der Sindelfinger Jugendstaffel die Bronzemedaille, und kaum in die Freiluftsaison eingestiegen, startet der 400-Meter-Hürden-Mann auch hier voll durch. In Mannheim lief er am vergangenen Wochenende zur Norm für die U20-Weltmeisterschaften. Die SZBZ hat mit dem 18-Jährigen über das große Saisonziel, seine eher zufällige Disziplinwahl und den Bundesfreiwilligendienst am Olympiastützpunkt gesprochen.
Herzlichen Glückwunsch, Jannis, zur WM-Norm. Hast Sie damit gerechnet, in Mannheim 52,21 Sekunden und eine neue Bestzeit zu laufen?
Jannis Gartmann: Vielen Dank! Tatsächlich wäre ich gerne sogar noch ein bisschen schneller gelaufen. Ich war schon bei meinem ersten Wettkampf in Regensburg nahe dran, und wir haben schon vor der Saison gesagt: Die WM-Norm muss drin sein.
Tatsächlich tretten Sie in einem starken U20-Jahrgang an. Eine Normerfüllung heißt nicht automatisch, zu den Weltmeisterschaften nach Eugene in den USA zu fliegen?
Jannis Gartmann: Nein, tatsächlich rechne ich mit drei oder vier Leuten, die bis zum Stichtag die Norm erfüllen. Deswegen kommt alles auf meine Platzierung bei den Deutschen Jugendmeisterschaften an. Da muss ich Erster oder Zweiter werden.
Wie gehen Sie mit dem Druck um, wenn nur ein Lauf über Ihr großes Saisonziel entscheidet?
Jannis Gartmann: Ich werde wahnsinnig nervös sein und bin jetzt schon froh, wenn es vorbei ist. Aber meine Stärke liegt darin, mich im Duell eins gegen eins durchzusetzen, deswegen bin ich optimistisch.
Wie bereiten Sie sich auf die Deutschen Meisterschaften Anfang August in Bochum-Wattenscheid vor?
Jannis Gartmann: Ich werde dieses Wochenende noch bei den Süddeutschen Meisterschaften laufen und mich da ganz auf mein Rennen konzentrieren. Dann steigern wir im Training noch mal die Intensität, und dann geht es auch schon nach Bochum-Wattenscheid.
Am vergangenen Wochenende sind Sie auch erstmals im Nationaltrikot angetreten. Mit der 4×400-Meter-Staffel habt ihr sogar eine neue Weltjahresbestleistung aufgestellt. Haben Sie für die Weltmeisterschaften auch einen Platz in der Staffel im Blick?
Jannis Gartmann: Die Chance besteht schon. Mit meiner 400-Meter-Zeit zum Saisoneinstieg bin ich aktuell Vierter in Deutschland, und die Bundestrainer wissen um meine Stärke. Ein Doppelstart wäre natürlich das Optimum. Aber das ist eine U20-WM in Eugene ja sowieso. Das tolle Stadion, die Stimmung. Für mich war von Anfang an klar: Ich will dabei sein.
Auf die 400-Meter-Hürden sind Sie aber eher durch Zufall gekommen?
Jannis Gartmann: Ich habe schon mit vier Jahren mit der Leichtathletik begonnen, weil ich das Gleiche machen wollte wie mein großer Bruder. Ich war lange gut im Hochsprung, aber eben nur baden-württembergische Spitze. In der U16 wollte ich dann an Deutschen Meisterschaften teilnehmen, und die Norm über die 300-Meter-Hürden war total niedrig.
Überraschend sind Sie damals Vierter geworden und in den Landeskader gekommen, ein Jahr später sogar in den Bundeskader …
Jannis Gartmann: Ja, und jetzt bin ich dabei. In der U18 wurde ich dann Dritter bei den Deutschen Meisterschaften, habe aber deswegen auch die U18-EM knapp verpasst. 2025 war dann zum Vergessen. Ich war lange verletzt und hatte ein Fersenödem. Das hat sich bis in die Hallensaison gezogen.
Inzwischen haben Sie sich aber neu aufgestellt und können sich ganz auf den Sport konzentrieren?
Jannis Gartmann: Ja, ich wollte das ein Jahr lang versuchen. Ich absolviere gerade den Bundesfreiwilligendienst am Olympiastützpunkt Stuttgart. Da werde ich für Trainingslager und Wettkämpfe freigestellt, und Training ist Arbeitszeit. Ich lebe im Internat und trainiere bei der Landestrainerin Cathleen Tschirch. Ab Herbst will ich dann aber studieren, am liebsten Psychologie in Frankfurt.
Entsprechend gut haben Sie sich in den letzten Monaten entwickelt. Was haben Sie sich für diese Saison noch vorgenommen?
Jannis Gartmann: Am liebsten würde ich bei den Weltmeisterschaften noch ein bis zwei schnelle Rennen laufen. Ich denke, eine Zeit um die 51,5 Sekunden ist locker drin. In Mannheim hat schon alles ganz gut geklappt – bis zur neunten Hürde, die war dann wahnsinnig schlecht. Ich bin fast stehen geblieben.
Bild: Jannis Gartmann (2. von rechts) hofft bei der U20-WM in Eugene auf einen Doppelstart im Einzel und in der Staffel.
Bild: Ralf Görlitz
Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online