Die Bösis setzen auf Tempo, defensive Stabilität und einen starken Neuzugang im Tor. Schon das erste Saisonspiel verspricht besondere Atmosphäre.
Neuer Chefcoach, neue defensive Ausrichtung und ein Kracher zum Start: Vito Cece spricht im SZ/BZ-Interview über die neue Verbandsligasaison.
Herr Cece, die Verbandsligasaison steht in den Startlöchern. Sind Sie, sind Ihre Spieler bereit dafür?
Vito Cece: „Auch wenn wir, wie voraussichtlich auch alle anderen Mannschaften, nicht genau wissen, wo wir stehen und wie stark wir wirklich sind, fiebern wir dem Saisonstart entgegen. Deshalb ja, wir sind bereit.“
Sie selbst sind aufgerückt vom Co-Trainer-Posten und haben Ihren älteren Bruder Marco beerbt. Wie fühlt es sich an, nun Chefcoach der HSG-Handballer zu sein?
Vito Cece: „In diese neue Rolle bei meinem Heimatverein reinzuschlüpfen, bereitet mir großen Spaß. Ich habe der Mannschaft Mitte Juni anlässlich eines Teamevents zu verstehen gegeben, was ich von ihr erwarte und welche Änderungen ich vornehmen werde. Dabei habe ich das Rad nicht neu erfunden, wir reden hier vom Detailbereich. In den Wochen danach, die auch geprägt waren von Urlaubsphasen und kleineren Verletzungen, haben die Jungs dann klasse mitgezogen.“
Neuzugang Krems direkt in Mannschaftsrat gewählt
Lassen Sie uns doch mal kurz ins Detail gehen. Was wird sich denn ändern?
Vito Cece: „In erster Linie unsere Defensive, die wir etwas anders interpretieren als in den Jahren zuvor. Das wiederum hängt in erster Linie mit unserem neuen Torwart Tobias Krems zusammen. Da er mit 2,03 Metern eine gewisse Größe mitbringt und von den Außenpositionen betrachtet Dreiviertel des Tores abdeckt, wollen wir die gegnerischen Angriffe genau dorthin leiten und vermehrt Abschlüsse von außen zulassen.“
Wie wurde Tobias Krems, der von Vereinsseite aus als „Königstransfer“ bezeichnet wurde, von seiner neuen Mannschaft aufgenommen?
Vito Cece: „So gut, dass er gleich in den Mannschaftsrat reingewählt wurde. Tobias ist nicht nur ein überragender Typ, er bringt auch trotz seiner erst 27 Jahre eine Menge Erfahrung mit. Über seinen sportlichen Wert brauchen wir gar nicht groß reden, er bringt jahrelange Regionalligaerfahrung mit. Tobias hilft seinen Mitspielern genau wie auch uns Trainern. Auch Fabian Rothsching als zweiter Torwart profitiert ungemein von ihm. Fabian lernt hautnah von einem gestandenen Viertliga-Torhüter dazu und hat sich auch enorm verbessert.“
Aggressive Abwehr und Tempo-Handball
Was hat sich in personeller Hinsicht noch getan?
Vito Cece: „Dominik Möller ist zurück in der Mannschaft. Obwohl er nach seinem zweiten Kreuzbandriss innerhalb kürzester Zeit seine Karriere eigentlich beendet hatte, ist er wieder eingestiegen. Dominik hat beim Physiotherapeuten des VfB Stuttgart einen sogenannten ‚Return-to-competition‘-Test absolviert und diesen bestanden. Das eröffnet uns nun natürlich ganz andere Möglichkeiten am Kreis. Des Weiteren sind Mattis Gatzweiler und Sebastian Stricker aus der zweiten Mannschaft aufgerückt und erweitern unser Aufgebot auf den Außenpositionen. Auch weil Rechtsaußen Joshua Ruhmund nach seinem Patellasehnenabriss mindestens noch bis Ende Oktober ausfällt.“
Mit welcher Zielsetzung gehen Sie nach dem guten Abschlussrang vier in der vergangenen Runde in die neue Saison?
Vito Cece: „Mich interessiert weniger die Platzierung als mehr die Art und Weise, wie wir Handball spielen wollen. Selbstverständlich wollen wir gar nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Mit aggressiver Abwehrarbeit und attraktivem Tempo-Handball wollen wir erreichen, dass unsere beiden Sporthallen immer gut besucht sind. Da unsere Verbandsligastaffel wieder neu zusammengesetzt wurde, treffen wir auf einige uns noch völlig unbekannte Gegner. Wie gut die tatsächlich sind, werden wir erst in den direkten Duellen erfahren.“
Bruder Marco wirkt im Hintergrund
Wen stufen Sie denn als Favoriten auf die Meisterschaft ein?
Vito Cece: „Die beiden Absteiger SG H2Ku Herrenberg und den TSV Altensteig – auf die wir gleich in den ersten beiden Spielen treffen. Die HSG Rottweil und uns sehe ich gleich dahinter. Wohin unser Weg führen wird, wird dementsprechend vom Saisonstart abhängen. Gleich zu punkten, würde uns allen Sicherheit für die danach folgenden Aufgaben geben. Dass wir mit dem Knallerspiel gegen Herrenberg die Saison eröffnen, hätte nicht sein müssen, aber wir nehmen es, wie es kommt. Ich denke, die Böblinger Murkenbachhalle wird aufgrund des Derbys gleich mal bis auf den letzten Platz gefüllt sein.“
Abschließende Frage: Mischt sich Ihr Bruder Marco, der ja das Amt des Sportlichen Leiters übernommen hat, noch in Ihre tägliche Arbeit ein?
Vito Cece: „Nein, überhaupt nicht. Marco hat nach der vergangenen Saison bewusst Abstand gewonnen, um auch mich mal machen zu lassen. Er hat sich erst nach zwei Monaten in der Halle gezeigt. Das bedeutet aber nicht, dass wir weniger über Handball geredet haben. Im Gegenteil sogar, wir sind praktisch im täglichen Austausch. Er versucht, seine neue Rolle auszufüllen, kümmert sich im Hintergrund darum, das Team noch besser aufzustellen und trägt damit auf andere Weise zum Erfolg bei.“
Bild: Vito Cece ist bei seiner Premiere als Chefcoach gleich gegen Oberliga-Absteiger SG H2KU Herrenberg gefordert.
Bild: Eibner-Pressefoto/Wasserburger
Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online