Jonas Scardanzan spricht über die ungewöhnliche Konstellation beim VfL Sindelfingen, unterschiedliche Saisonziele, das interne Landesliga-Duell und seine Rolle als Mannschaftsführer.
Die Sindelfinger Tischtennisabteilung steht mit sieben Teams im Aktivenbereich und zehn Nachwuchsmannschaften in den Startlöchern zur neuen Saison. Besonders kurios: Bei den Erwachsenen treten gleich zwei Mannschaften in der Landesliga an – mit einem gemeinsamen Mannschaftsführer, Jonas Scardanzan. Wir unterhielten uns mit dem 22-jährigen Sindelfinger Eigengewächs.
Gleich Teamkapitän in zwei höherklassigen Mannschaften zu sein, ist durchaus außergewöhnlich.
Jonas Scardanzan: Das stimmt, aber ich denke, dass mir dieses Ehrenamt liegt, weil ich gerne organisiere und Verantwortung übernehme. Außerdem beschäftige ich mich gerne mit den Tischtennisligen und ihren Tabellen und habe einen guten Draht zu den Spielern. Da mit dem Aufstieg der zweiten Mannschaft mehr Abstimmung notwendig ist und ich weiterhin dort zum Einsatz komme, bot sich das an.
Üben Sie auch andere Funktionen im Verein aus?
Jonas Scardanzan: Seit ungefähr fünf Jahren bin ich auch als Jugendtrainer im Einsatz. Das bereichert mich sehr, genauso wie das Amt des Jugendsprechers im Abteilungsvorstand, das ich vor meinem Studienbeginn bekleidete. Ich arbeite gerne im Verein mit.
Die erste Mannschaft kann als Landesliga-Dritter auf eine starke Saison zurückblicken. Wie kam es, dass die Zweite sich nun dazugesellt?
Jonas Scardanzan: Für den VfL II verlief das letzte Jahr sehr turbulent. In einer extrem ausgeglichenen Landesklasse haben wir uns im Endspurt die Vizemeisterschaft gesichert, obwohl wir lange das Abstiegsgespenst im Nacken spürten. Trotz eines gewissen Risikos entschieden wir uns für eine eventuell freie Nachrückposition. Durch den Rückzug einer anderen Mannschaft rückten wir tatsächlich in die Landesliga auf.
Dementsprechend sind die Saisonziele wohl recht unterschiedlich?
Jonas Scardanzan: In der Tat. Die Männer I mit einem Durchschnittsalter um die 24 Jahre sind mit sechs Stammkräften und den Ergänzungsspielern Daniel Bacher und Martin Finkbeiner hervorragend aufgestellt und Kandidaten für einen der ersten drei Aufstiegsplätze. Der Meister steigt in die Verbandsliga auf, der Zweit- und Drittplatzierte in die neu eingeschobene Verbandsklasse. In der VfL-Zweiten wird mit einem größeren Kader mehr rotiert, als Aufsteiger ist der Klassenerhalt das Ziel.
Wer sind die anderen Titelkandidaten in der Landesliga?
Jonas Scardanzan: Da sich die Meisterschaft nicht nur durch die Spitzenspieler, sondern auch durch die Qualität am mittleren und hinteren Paarkreuz entscheidet, sehe ich die SG Weil der Stadt/Grafenau und den TV Calmbach weit vorne. Der TTC Singen und auch wir haben das Potenzial, mitzumischen.
Oftmals ungeliebt sind die eigenen Vereinsderbys. Das steigt am 2. Oktober in der Sommerhofenhalle. Mit welcher Einstellung geht man in die Partie?
Jonas Scardanzan: Die Stimmung ist gespalten. Manche freuen sich auf den internen Vergleich und sehen sich als Herausforderer, andere verspüren weniger Motivation und sind hauptsächlich froh, wenn es rum ist (lacht).
Organisatorisch dürfte der Teamkapitän auch aufgrund der Zwölferliga gefordert sein?
Jonas Scardanzan: Das stimmt, ich stehe wohl vor meiner bisher anspruchsvollsten Saison als Mannschaftsführer. Da es überdurchschnittlich viele Spiele gibt, sind Spielverlegungen nur begrenzt möglich. Zudem sind nach der neuen Regionseinteilung die Fahrten deutlich länger. So geht es beispielsweise nach Jestetten, wo man ein Stück durch die Schweiz fährt.
Das einzige neue Gesicht in den Aufstellungen ist das 14-jährige Talent Finn Pföhler.
Jonas Scardanzan: Ja, Finn kam aus Korntal zu uns. In der U-15-Altersklasse wurde er bereits baden-württembergischer Meister im Doppel und bei den U-14-Jungs im Einzel. Er trainiert schon länger bei uns und entschied sich nun für einen Vereinswechsel. Im Erwachsenenbereich kann er ohne Druck aufspielen. Zusätzlich kommt er in unserer U-19-Mannschaft in der Verbandsoberliga zum Einsatz.
Unmittelbar nach Ende der Sommerferien geht es für viele Mannschaften im Bezirk am Wochenende los. Kommt da auf einige VfL-Cracks ein Kaltstart zu?
Jonas Scardanzan: Wir konnten bereits am ersten Septemberwochenende in die Halle. Einige absolvierten eine intensive Vorbereitung, andere ließen es ruhiger angehen. Der erste Spieltag verläuft oftmals etwas holprig. Da aber alle hochmotiviert sind, mache ich mir wegen eines Kaltstarts keine Sorgen.
Info
Zum Auftakt der neuen Saison 2026/2027 spielen die Männer II des VfL Sindelfingen am kommenden Samstag (19. September) um 17 Uhr beim TSV Mimmenhausen. Die Männer I legen am 27. September beim TTC Ottenbronn (13 Uhr) los, die Landesliga-Frauen starten einen Tag vorher gegen die TSF Ditzingen (18 Uhr).
Bild: Jonas Scardanzan ist bei beiden Sindelfinger Teams Mannschaftsführer.
Bild: Holzapfel
Quelle: Sindelfinger Zeitung/ Böblinger Zeitung online