Triathlon: Auf Hawaii werden Träume wahr

Finisher aus dem Kreis Böblingen

Luisa und Martin Moroff aus Darmsheim und der Sindelfinger Thomas Berger zählen zum erlesenen Finisher-Kreis des Ironman Hawaii.

Triathlon. Für Luisa Moroff und ihren Vater Martin Moroff aus Darmsheim und den Sindelfinger Thomas Berger ging ein Traum in Erfüllung. Sie zählen nun zum erlesenen Kreis der Finisher des legendären Ironman Hawaii.

Nach dem Zieleinlauf lassen die drei Ausdauersportler aus dem Kreis Böblingen ihren Emotionen freien Lauf: „Es ist vollbracht. Sprecherlegende Mark Reilly begrüßte mich mit den magischen Worten ‘You are an Ironman’. Unendlich glücklich und zufrieden habe ich meinen Traum Wirklichkeit werden lassen“, sagte Luisa Moroff. In einer Gesamtzeit von 10:52,01 Stunden überquerte die 26-Jährige die Ziellinie.

Ihr Vater Martin Moroff hatte noch eine Rechnung mit dem Ironman Hawaii offen, nachdem er 1993 aufgrund von Magenproblemen aufgeben musste. Nach 11:27 Stunden erreichte der Darmsheimer den Zieleinlauf und machte damit ebenfalls seinen großen Traum wahr. Und Thomas Berger, der dritte Finisher im Bunde aus dem Kreis Böblingen, war ausgepowert, aber glücklich. „Ich bin so kaputt, das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich muss jetzt erst einmal schlafen und die ganzen Eindrücke verarbeiten“, sagte der Abteilungsleiter der Triathleten des VfL Sindelfingen.

3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und ein Marathon in Kombination sind so schon eine Tortur. Wenn dann noch die Hitze dazukommt, dann kann es ganz schnell mal zur Qual werden. Und wenn dann der Körper nicht so mitspielt, wie geplant, dann wird es noch schwieriger. Diese Erfahrung muss auch Thomas Berger machen. „Aufgrund einer Mittelohrentzündung konnte ich mich nicht so vorbereiten, wie es eigentlich geplant war. Deshalb wusste ich schon vorher, dass es ein ganz, ganz harter Kampf werden sollte.“

Und die schlechte Vorahnung des Sindelfingers sollte sich auch bestätigen. Dabei sah es zunächst noch ganz gut aus für den 40-Jährigen. „Das Schwimmen war solide, mit dem Radfahren bin ich auch zufrieden. Beim Marathon habe ich dann leider ziemlich Magen- und Darmprobleme bekommen. Dadurch fehlten mir deutlich die Körner“, schildert Thomas Berger seine Leiden.

Adrenalin pur

Dennoch lässt sich der Abteilungsleiter der VfL-Leichtathleten nicht aus dem Konzept bringen und beißt trotz der großen körperlichen Probleme auf die Zähne. „Als dann mein Kumpel Holger zu mir auflief, war das eine große Motivation. Er hat mich richtig gepusht, das hat sehr geholfen.“ Die letzten zwei Kilometer waren dann Adrenalin pur für den 40-Jährigen. „Wahnsinn, wie die Zuschauer uns da angefeuert haben. Den Zieleinlauf und die frenetischen Zuschauer auf dem Ali´i Drive werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Davon habe ich immer geträumt, und jetzt ist es wahr geworden. Es war das emotionalste Finish, das ich bisher erleben durfte.“

Nach 12:30,35 Stunden überquerte Thomas Berger die Ziellinie. „Es war der längste Tag meines Lebens. Nach den ganzen Begleitumständen war mir schon davor klar, dass am Ende keine Top-Zeit rauskommen würde. Das ist aber für mich nebensächlich. Ich wollte den Ironman Hawaii finishen, und das habe ich geschafft.“

Vor Freude Tränen in den Augen

Bis es beim Ironman Hawaii wirklich an die Startlinie geht, ist einiges vorzubereiten. „Mein Wecker klingelte bereits um 3:00 Uhr. Es war noch stockdunkel, als wir uns mit dem Shuttlebus auf den Weg zur Wechselzone aufmachten. Allerorten wuseln Athleten mit ihren Betreuern Richtung Pier. Es fühlte sich an wie der Einzug der Gladiatoren in die Kampfarena. Bereits am Vortag wurden die Räder eingecheckt und die Wechselbeutel abgegeben. Die Laufräder wurden nochmals aufgepumpt und die Zeitfahrmaschine mit Trinkflaschen bestückt. Alle Starter mussten sich entsprechend ihrer Farbe der Badekappe aufstellen. Jede Altersklasse hatte ihre eigene Farbe und somit ihre eigene Startzeit“, schildert Luisa Moroff.

Dann geht es endlich los für Luisa Moroff: „Meine Nervosität stieg ins Unermessliche. Jetzt cool bleiben und die Eindrücke aufsaugen. Heute sollte meine persönliche ‘Vision’ nach jahrelangem Training ihren Höhepunkt finden. Heute ist mein Tag. Ich hatte Tränen in den Augen. Dieses Erlebnis heute wird mir niemand mehr nehmen können. Papa erinnerte mich noch einmal an unser gemeinsames und wichtigstes Ziel heute: gesund und mit einem Lächeln im Gesicht finishen. ‘See you at the finish-line’.

Booom – Startschuss. „Der längste und härteste Tag meines Lebens sollte beginnen“, so Luisa Moroff. Nach 1:01:58 Stunden Schwimmzeit hat sie wieder festen Boden unter ihren Füßen. Beim Ausstieg noch kurz den Mund mit Süßwasser gespült, und dann geht es ab aufs Rad. „Die Radstrecke mit 1772 versteckten Höhenmetern ist sehr hügelig und erscheint schier unendlich, weil fast immer geradeaus“, schildert Luisa Moroff ihre Eindrücke. „Auch für Papa, welcher ja eine knappe Stunde nach mir gestartet war, hatte ich ein fröhliches Zuwinken kurz nach dem Wendepunkt Hawi parat.“ Nach 5:42:14 Stunden für die 180 Kilometer lange Radstrecke kommt Luisa Moroff in der Wechselzone am Pier von Kona an. „Die oft drehenden warmen Mumuku-Winde auf der Radstrecke hatten mich wirklich Körner gekostet. Gefühlt hatte ich zwei Drittel der Strecke Gegenwind“, so die Darmsheimerin.

Und nun steht auch noch der Marathon auf dem Programm. Und das in sengender Mittagshitze. „Oberste Priorität haben hier die Kühlung und die Versorgung des Körpers mit Energie, Flüssigkeit und Mineralien. Der Rest ist Kopfsache“, lautet die Zielsetzung. Die Darmsheimerin kann sich auf Unterstützung verlassen. „Auf der Küstenstraße, dem Ali’i Drive, erwartete mich Mama. Sie machte Bilder und feuerte mich an. Auch jetzt wieder die mahnenden Worte, nicht zu schnell loszulaufen, und ich solle doch bitte daran denken, meine Kräfte einzuteilen.“

Extreme Bedingungen

Und daran hält sich die 26-Jährige. Dennoch fällt das Laufen aufgrund der extremen klimatischen Bedingungen immer schwerer. „Nur alle zwei Meilen bekommen wir Wasser, Cola, Energygetränk, Gel und nochmals Wasser. Zudem Eiswürfel unter meine Mütze. Ich habe alles in und über mich geschüttet, was ich greifen konnte. Bei wirklich jeder Verpflegungsstation“, so Luisa Moroff.

Auf ihren eisernen Willen kann sich die Darmsheimerin verlassen und trotzt allen Widrigkeiten. „Erst etwa 500 Meter vor dem Ziel war ich mir wirklich sicher, das Ziel zu erreichen. Ich laufe erleichtert und überglücklich unter tosendem Applaus der vielen Zuschauer die letzten Meter zur Finish-Line. Nach 10:52:01 Stunden ist es vollbracht.“

Bild: k/a

Quelle: SZ/BZ-Online