HSG Böblingen/Sindelfingen verliert.
Die Württembergliga-Handballerinnen der HSG Böblingen/Sindelfingen mussten eine bittere 31:34-Niederlage gegen den SV Kornwestheim hinnehmen.
Die Handballerinnen der HSG Böblingen/Sindelfingen sind immer für eine Überraschung gut – aus positiver wie auch negativer Sicht. Nach zuletzt 7:1 Zählern am Stück und erstmals ausgeglichenem Punktekonto ging die Mannschaft von Mischa Herok als klarer Favorit in das Heimspiel gegen den SV Kornwestheim. Um dann aber laut HSG-Coach „die miesesten 30 Minuten, seit ich hier Trainer bin“ abzuliefern. „Es hat überhaupt nichts gepasst. Wir haben uns nicht an Absprachen gehalten, wir kamen immer einen Schritt zu spät, wir haben praktisch nur falsche Entscheidungen getroffen.“
Und das gegen einen Gegner, der keineswegs übermächtig war, im Gegenteil sogar. „Kornwestheim hat einfach seinen Stiefel heruntergespielt, das hat heute schon gereicht“, war Mischa Herok nach der Partie sichtlich bedient. Genau 40 Sekunden lang war der HSG-Trainer zufrieden. Amelie Lang hatte das 1:0 für die Gastgeberinnen erzielt – es sollte die einzige Führung der HSG bleiben. Denn das Pendel schlug sehr schnell zu Gunsten der Gäste aus. Nach gut achteinhalb Minuten hatte Mischa Herok genug gesehen. Bei 2:6-Rückstand versuchte er sein Team mittels Auszeit neu auszurichten. Dieser Schuss ging aber kräftig nach hinten los. Kornwestheim wartete nur auf die Fehler der HSG und bestrafte diese gnadenlos. Zur Pause lagen die Gäste fast schon vorentscheidend mit 18:9 in Führung. „Wir sind vor allem im Angriff in sehr alte Muster verfallen“, kam Mischa Herok gar nicht mehr aus dem Kopfschütteln heraus. Die Tempoverschleppung mangels Spielerinnen in den vergangenen Wochen bekam seine Mannschaft trotz wieder vollerem Kader nicht aus ihrem Spiel. „Wir hatten etliche Situationen, in denen wir ins Tempo gehen können, erkennen diese aber nicht.“
In der Kabine stimmte der HSG-Coach trotz der verheerenden ersten Halbzeit sanfte Töne an. „Ich habe meine Mädels einfach nur gebeten, schlauer zu spielen.“ Und siehe da: Dieser einfach anmutende Hinweis fruchtete – wenn auch mit leichter Verzögerung. Denn bis zum 13:21-Rückstand in der 37. Minute hielten die Gäste weiterhin die Fäden in der Hand. Vier Minuten später aber witterten die Gastgeberinnen Morgenluft. Lisa Baumgartl, Anja Weinhardt, Svenja Hille und Zana Turkalj verkürzten auf 17:21, wodurch sich auch die Stimmung in der Sindelfinger Sommerhofenhalle besserte. Dann allerdings trat Mischa Herok in Erscheinung. Der HSG-Trainer monierte eine Entscheidung der Unparteiischen und kassierte dafür die Gelbe Karte. Sein Zetern endete damit aber nicht, so dass Andrea Rizzo und Lukas Riede (JSG Balingen-Weilstetten) noch eine Zwei-Minuten-Strafe folgen ließen. Seiner Mannschaft hatte Mischa Herok damit einen Bärendienst erwiesen, denn Kornwestheim legte fünf Tore in Serie nach. „Da muss ich mich besser unter Kontrolle haben“, zeigte sich der HSG-Coach nach dem Spiel einsichtig. „Mit meiner Zeitstrafe habe ich unsere Aufholjagd unterbrochen.“
Seine Mannschaft rappelte sich aber ein weiteres Mal auf. Den zwischenzeitlichen 17:26-Rückstand (47.) verkürzte das Team um Kapitänin Anja Weinhardt bis zur 53. Minute auf 25:28 und hatte nach einem Fehlwurf der Gäste sogar Ball in Hand. Aber ein weiterer verpatzter Angriff samt schmerzhafter Antworten seitens der Kornwestheimerinnen zum zwischenzeitlichen 26:31 (57.) besiegelten letztlich die Niederlage. Die fiel mit 31:34 knapper aus, als die HSG-Fans nach 30 Minuten befürchtet hatten. „Wir müssen uns heute an die eigene Nase fassen“, war Mischa Herok enttäuscht. „Dieses Spiel hat Kornwestheim nicht gewonnen, sondern wir haben es verloren. Daraus müssen wir lernen, ich genauso wie auch meine Spielerinnen.“
HSG Böblingen/Sindelfingen: Kilper, Kulik (beide im Tor); Turkalj (10 Tore), Lang (1), Svenja Hille (7), Knoll (3), Maurer (2), Münch, Weinhardt (3/davon 1 Siebenmeter), Kohler, Geißler, Baumgartl (5)
Bild: Lisa Baumgartl (mit Ball) und die HSG Böblingen/Sindelfingen standen gegen den SV Kornwestheim auf verlorenem Posten. Bild: Photostampe.
Quelle: Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung Online